01.05. +++ Obscure Art

Er ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild: Er sammelt zwar gern Dinge ein, aber viel lieber geht er spazieren. Oder rennt spazieren. Und er kann Heilung durch Hundauflegung.
Er ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild: Er sammelt zwar gern Dinge ein, aber viel lieber geht er spazieren. Oder rennt spazieren. Und er kann Heilung durch Hundauflegung.

Kennen Sie das? Man knabbert an einem Gedanken herum, an einem Zitat, das man irgendwann einmal leider nicht ganz korrekt aufgeschnappt und sich notiert hat, womöglich sogar mit der Quelle, aber jetzt ist die Notiz mit dem halbkorrekten Zitat auch weg, und was bleibt ist ein tiefes Gefühl von Unfrieden. Die Schmerzen, die Gedanken bereiten. Mir geht es heute so mit einem Satz, der ungefähr so geht: „Es ist schön, Dinge zu sammeln, aber es ist schöner spazieren zu gehen.“ Ich glaube, es handelt sich dabei um ein Zitat von einem französischen Schriftsteller, deshalb habe ich die Suchmaschinen der Welt nicht nur mit dieser und alternativen Formulierungen, sondern auch ihren französischen Äquivalenten gefüttert, leider aber ergebnislos. Damit handelt es sich jetzt also um eine Zitatwaise, und ich bitte Sie, liebe Leser, um freundliche Aufnahme dieses Fremden unbekannter Herkunft.

Wir sind in eine Gesellschaft hinein geboren und erzogen worden, in der Besitz und materieller Wohlstand hohe Güter sind. Bei allen Beteuerungen, dass wir „arbeiten, um zu leben“ und nicht umgekehrt: Wer es in unserem Land nicht schafft, sein Auskommen zu sichern, wer sich dem Diktat von Erwerbsarbeit und Konsum widersetzt, dem darf man sehr skeptisch begegnen. Das ist vielleicht nicht gut, aber doch der Konsens. „Leben“ ist Schlaf, Arbeit und Konsum, zu jeweils gleich berechtigten Dritteln, und hohes Ansehen genießt, wer wenig schläft, viel arbeitet, um viel konsumieren zu können. Oder vielleicht auch wenig, aber hoch bezahlt arbeitet. Der Konsum aber, das Sammeln, das sich Einverleiben von Dingen, ist keine Einbahnstraße, sondern ein halber Vorgang. Nennen Sie das Folgende gern Trash-Esoterik-Philosophie, aber ich denke es mir so: Wir müssen Nahrung aufnehmen und Stoffwechselprodukte und Energie wieder abgeben. Nehmen hat immer mit geben zu tun. Wenn wir nur nehmen, ohne Energie abzugeben, sterben wir, genauso wie wenn wir zuwenig aufnehmen und immer nur geben. Der zutiefst philosophische Satz, den ich oben als Kunst unbekannter Herkunft zitiert habe, beschreibt für mich genau das. Es ist schön, befriedigend und nötig, sich Dinge anzusammeln, genauso wie es nötig ist, Energie aufzunehmen, aber das Loslassen, das Herausgehen aus diesem schnell krampfhaften Prozess des Sammelns ist weitaus befriedigender. Jeder weiß, dass es oft sehr viel schöner ist, Geschenke zu machen, als sie anzunehmen, was wiederum mit den gegenläufigen emotionalen Gaben zu tun hat, aber genau darum geht es. In der Arbeit haben die meisten von uns mit vielfältigen Kommunikationsprozessen zu tun, deren emotionaler Wert für uns immer mehr steigt (wer eine funktionierende Großfamilie hat, leidet nicht so sehr unter einem bösen Chef, wie ein beziehungsoptimierter Business-Single), im Konsum nicht (hier werden menschliche Beziehungen immer mehr medialisiert und kommerzialisiert), und sonst bleibt nichts. Familie verliert immer mehr an Bedeutung. Beziehungen verlieren immer mehr an Bedeutung. Langfristige Freundschaften treten gegenüber spontan per App zusammen gerufener Interessengemeinschaften immer mehr zurück. Treten wir einen Schritt zurück. Bescheiden wir uns beim Sammeln der Dinge. Konzentrieren wir uns auf das Sammeln und Verschenken von Gedanken, ob es nun authentische Originalzitate sind, oder gute Gedanken, die ein bisschen Second Hand, aber trotzdem so wichtig sind. Sie sind herzlich eingeladen, Ihre emotionalen Gegengaben zu senden.


Anwendungsgebiete: Rheuma

Einnahme: Entzündliche Gelenkserkrankungen werden häufig beim Spazierengehen im Regen schlimmer, wie zum Beispiel am traditionellen Spaziergehtag, dem ersten Mai 2015. Deshalb tun Sie sich bitte mit anderen Menschen zusammen, legen Sie sich eine Katze oder auch einen Hund auf die angegriffenen Gelenke, bleiben Sie im Haus, z.B. auf dem Sofa,und wärmen Sie sich gegenseitig, und zwar am Besten mit Gedanken wie dem obigen, die Sie dazu allerdings austauschen müssen.

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