02.01. +++ Wer’s glaubt, wird selig

Wersglaubt
Erschreckend authentische Seventies-Gesichtsbehaarung: Christian Ulmen und Nikolaus Paryla in WER’S GLAUBT WIRD SELIG (Foto von http://www.wers-glaubt-wird-selig-film.de/)

Ich gebe zu, ich bin nicht so wahnsinnig handwerklich begabt, und wenns mal was zu bohren, aufzubauen, anzuschrauben, aufzuhängen undsoweiter gibt, habe ich schnell keine Geduld mehr und wills einfach hinter mich bringen, und dann wirds schief und ich ärgere mich, und der Hund pariert auch nicht mehr und ich bin unfreundlich zu meiner Frau – gut, die wollte ja auch zu Ikea. Naja. Am Ende eines langen Tages ist alles aufgebaut, installiert, geputzt und sogar die ***kartons zerkleinert und in der Tonne, und jetzt gibts ein Kulturgut. Die Entscheidung fällt auf einen Film namens WER’S GLAUBT, WIRD SELIG, über die Feiertage aufgezeichnet. Ich kenne ihn noch nicht, eine Freundin hat ihn aber wärmstens empfohlen und im Vorgängerfilm von Regisseur Rosenmüller (WER FRÜHER STIRBT IST LÄNGER TOT) haben wir sehr gelacht. Also rein in den neuen Ikeasessel und angeschnallt, denn es wird ein anspruchsvoller Abend für die Lachmuskeln. Für diejenigen, die den Film (noch) nicht kennen: Es geht um ein bayerisches Dorf, das mangels Schneefall seit mehreren Jahren seine Wintersportexistenzgrundlage eingebüßt hat. Als die oide Hex von Schwiegermutter des Protagonisten stirbt, kommt dieser auf die Idee, sie heilig sprechen zu lassen, um so eine Wallfahrt ins Dorf anzuleiern. Ich erkenne Christian Ulmen, der den Preißn in Bayern spielt, auf Grund seines Oberlippenbarts zunächst gar nicht, aber diese Präzision und Treffsicherheit! Ein Mann, der eine richtig gute Idee hat, die er aus einer Verkettung von unglücklichen Umständen heraus nicht seiner Frau erzählen kann. Der Stoff für Tragödien, oder in diesem Fall, Komödien. Überhaupt, eine tolle Schauspielerriege: Simon Schwarz mit noch ausgefallenerer Siebziger-Gesichtsbehaarung als ballerfreudiger Dorfbulle; Jürgen Tonkel als gewissensgeplagter Bestatter aus dem neunzehnten Jahrhundert, mit NOCH längerem Bart; Marie Leuenberger als liebende, aber von einem ziemlich kindisch-unvernünftigen Gatten geplagte Frau. Wenn man im Nachhinein drüber nachdenkt, wundert man sich, was für einen Schmarrn man bedenkenlos geschluckt hat, weil er so charmant serviert wurde. Vom Papst bis zur Pornodarstellerin, von der Leiche in der Tiefkühltruhe bis zum Tod beim Geschlechtsverkehr, vom falschen Priester bis zur Schießerei auf dem Dorfplatz wird in diesem Film wirklich kein Klischee ausgelassen. Macht ja nix, wenns nur gut gemacht ist, und das ist es. Die Wirkung: Binnen fünf Minuten nach Beginn der Einnahme stellt sich lautes Lachen ein, dass über die gesamten 105 Minuten anhält. Der neue Ikeahocker hält juchzendes Klatschen auf den Oberschenkel aus, was ich grunzend mit Wohlbefinden quittiere. Wirklich, die Handlung ist hanebüchen, aber dem Rosenmüller und seiner Gang gelingt es, die menschlichen Schwächen ihrer Figuren so liebenswürdig wie Pulverschnee über die grünen Hänge von Hollerbach zu zuckern, was ein großes Potential fürs Sich-Drin-Wiedererkennen bietet. Fast eine klassische Screwball-Comedy. Lachen ist ja eine sehr schöne, aber auch irgendwie aggressive Tätigkeit – der Körper wird rücksichtslos durchgeschüttelt. Heute hat dieser Neujahrsputz des Zwerchfells jedenfalls einen angenehm-purgierenden Effekt auf meine muffelige Handwerkerverfassung, so dass ich den ganzen Rest des Tages wohl gestimmt bin. Fazit: Qualitativ hochwertige deutsche Komödien mit gutem Ensemble sind in der dunklen Jahreszeit als Gegenmittel zu sich plötzlich verbreitenden Handwerkerdepressionen sehr zu empfehlen.


Anwendungsgebiete: Nackensteifigkeit, Halsstarrigkeit, Rheuma, Hühneraugen

Einnahme: Anatomisch gerade Sitzhaltung einnehmen, Film starten und beim Lachen auf ein lockeres Schwingen im ganzen Körper achten. 

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