02.02. +++ Fandango Madness

Ein abgefahrener Raver: Luigi Boccherini (Foto von www.en.wikipedia.org)
Ein abgefahrener Raver: Luigi Boccherini (Foto von www.en.wikipedia.org)

Irgendwann als Teenager bin ich mal auf einem dritten Programm bei dem englischen Filmklassiker LADYKILLERS hängen geblieben und war fortan ein totaler Fan von Alec Guiness. Und von Luigi Boccherini, von dem ich vorher noch nie was gehört hatte, dessen Streichquintett in E-Dur diese Krimikomödie aber so penetrant durchzieht, dass ich mir sogar die CD kaufte. Was damals noch mit einer Bestellung im CD-Laden verbunden war. Ja, Kinder, man musste das Haus verlassen, durch die Stadt fahren und mit einem Menschen reden, der in einem Buch nachschaute, ob es da etwas zu bestellen gab. Und das alles ohne One-Click-Option.Na jedenfalls bin ich heute beim Youtube-Browsen wieder bei Herrn Boccherini gelandet, und zwar bei etwas wie ich finde absolut Abgefahrenem, nämlich einem FANDANGO für zwei Cembali und Kastagnetten. Jetzt hat das Cembalo an sich nicht den Ruf, ein ausgesprochenes Partyinstrument zu sein, aber wenn ich mir vorstelle, diese Musik mit zwei am Ende auch noch Rokokomäßig-gekleideten Spielern und entsprechenden Tänzerinnen mit Kastagnetten auf der nächsten House Warming Party zu engagieren, kann ich mir nichts anderes als einen kollektiven Fandangowahn. Oder Harpsichord Rave. Ich höre das Stück jetzt schon zum dritten Mal und kann mich kaum noch auf dem Sitz halten – jetzt hört schon auf zu lachen. Das hat wirklich eine unglaubliche Sogwirkung.

So guckt man nach einer Überdosis Boccherini (Alec Guiness in LADYKILLERS, Foto www.theartsdesk.com)
So guckt man nach einer Überdosis Boccherini (Alec Guiness in LADYKILLERS, Foto www.theartsdesk.com)

Erst dieser ganz harmlose Einstieg, feierlich und freundlich, ich stelle mich auf etwas Repräsentatives-Höfisches ein, quasi ein Ornament am Rockzipfel Ludwigs XIV., dann nach einer Minute ein Riterdando, wir verzögern noch ein bisschen, ja, das konnten sie gut, im 18. Jahrhundert, und der Beat geht ab. So ein Cembalo hat einen fiesen Sound – irgendwie zwischen Hammondorgel und Baustahlmatte, finde ich – aber wenn man es mit dem entsprechenden Wumms behandelt, klingt es richtig kräftig, saftig, nach prallem Leben. Hätte ich nie erwartet. Und richtig spannend wird es, wenn gegen Mitte des Fandango, kurz bevor die Kastagnetten einsteigen, sich „schiefe“ Noten einschleichen. Vielleicht Boccherinis Vorstellung von Ethno-Einsprengseln, keine Ahnung. Oder diese chromatischen Aufgänge wenig später – es geht wild zu, in der eigentlich so geordneten Rokoko-Welt. Das ist natürlich eine moderne Interpretation, die Pianisten, die da spielen, haben schon mal von „Music with Rocks in“ (wie Terry Pratchett es nennt) gehört, zur Entstehungszeit klangs bestimmt anders – anders mitreißend.

Ich pfeife gern den ganzen Tag lang Musikstücke, von denen ich begeistert bin, was komischerweise manchmal um mich herum nicht so richtig gut ankommt. Selbst beim Hund nicht. Hierbei wirds dummerweise nicht so ganz toll funktionieren, weil zu vielgestaltig in der Thematik (für mich). Aber klasse wärs schon, sowas zu reproduzieren. Vielleicht ist für ein Cembalo noch Platz im Wohnzimmer? Die sind ja nicht so groß wie Flügel, gell? Was für eine traumhafte Waffe, um böse Nachbarn zu ärgern und mal so richtig den Rhythmusdrang rauszulassen. Bis es soweit ist, lass ichs noch ein paarmal in Schleife laufen.


Anwendungsgebiete: Adipositas

Einnahme: Entweder Klavier/Cembalo spielen lernen oder aber Musikstück kaufen, Wiedergabegerät auf Endlosschleife stellen und abrocken.

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