02.03. +++ Nonsense

Ein echtes Schatzkästlein: Jürgen Dahl (Hrsg.), LIMERICKS, LIMERICKS. Frankfurt am Main: Fischer, 1967
Ein echtes Schatzkästlein: Jürgen Dahl (Hrsg.), LIMERICKS, LIMERICKS. Frankfurt am Main: Fischer, 1967

Zu den größten Geschenken, die die anglo-irische Kultur dem Rest der Welt gemacht hat, gehört der Nonsense. Als Gegengewicht zum oder Überdruckventil des Common Sense, jenem zweiten auch irgendwie wichtigen Geschenk, gehört der mit heiligem Ernst zelebrierte Unsinn zu den großen zivilisatorischen Errungenschaften, die wir nur versuchen können, demütig nachzuahmen. Von den Sprachspielen eines Oscar Wilde über die subversive Komik eines James Joyce zum abgründigen Humor eines Beckett und zur anarchischen Sprengkraft der alle Logik vernichtenden Truppe Monty Python zieht sich das Schelmische durch die irisch-britische Hochkultur (und natürlich könnte ich noch viele seiner Helden nennen). Eine besondere und edle Form des Nonsense ist der Limerick, jenes fünfzeilige Gedicht mit dem bemitleidenswert simplen Reimschema und Kindergartenmetrum. Ich hatte heute das Vergnügen, eine der ersten in Deutschland erschienen Limerick-Sammlungen zu lesen, und zwar LIMERICKS, LIMERICKS, 1967 von Jürgen Dahl heraus gegeben. In diesem liebevoll kommentierten Bändchen stellt Dahl in 13 Kapiteln Limericks im englischen Original vor (ein paar in anderen Sprachen sind auch dabei), erzählt vom Ursprung der Gedichtform (sie wurde NICHT von Edward Lear in seinem 1846 zuerst erschienen BOOK OF NONSENSE erfunden, aber er verhalf ihr zum Durchbruch), gibt wörtliche Übersetzungen (weil er taktvoll vor schlechten Versübersetzungen zurückschreckt), kommentiert die Besonderheiten und Tummelplätze dieses großartigen Formats. Ich habe es sehr genossen, es hat mein Herz geweitet und mir Gesichtsfarbe geliehen. Was soll man bei dieser wunderbaren Wirkung eines Büchleins noch groß theoretisieren. Statt dessen gebe ich meine persönlichen Highlights aus dem Sammelband wieder, auf dass auch Du, geneigter Leser, meine Freude teilst.

A young man while dining at Crewe
Found quite a large mouse in his stew.
Said the waiter, ‚Don’t shout
Or wave it about,
Or the rest will be wanting one, too.’

There was a young lady of Thrace,
Whose nose spread all over her face;
She had very few kisses,
The reason for this is,
There wasn’t the suitable place.

A young schizophrenic named Struther
When told of the death of his mother,
Said, „Yes, it’s too bad,
But I can’t feel too sad.
After all, I still have each other.“

A lady is living at Ince,
Who was once engaged to a prince;
The careless young rotter
Completely forgot her:
She’s turned a republican since.

A Turk by the name of Haroun
Ate whisky by means of a spoon.
To one who asked why,
This Turk made reply:
‚To drink is forbidden, you loon.‘

A handsome young gent down in Fla.
Collapsed in a hospital ca.
A young nurse from Me.
Sought to banish his pe.
And shot him. Now what could be ha.?

(Fla. = Florida; Me. = Maine)

A beautiful lady named Psyche
Is loved by a fellow named Yche.
One thing about Ych
The lady can’t lych
Is his beard, which is dreadfully spyche.

A skeleton once in Khartoum
Asked a spirit up in his room;
They spent the whole night
In the eeriest fight
As to which should be frightened of whom.

There was an old widower Doyle
Who wrapped his wife up in tin foil;
He thought it would please her
To stay in the freezer,
And anyway outside she’d spoil.

Und, für Fans von Lars von Trier:

There was an old monk of Mongolia,
Whose habits grew steadily holier,
Till one day at the altar
He swallowed the psalter
And died of acute melancholia.

Heutzutage fährt dieser Schwabe nicht mehr in Schwaben und passt leider auch nicht mehr in den Fahrradkorb
Heutzutage fährt dieser Schwabe nicht mehr in Schwaben und passt leider auch nicht mehr in den Fahrradkorb

Abschließend noch ein eigener Beitrag, der der Stadt huldigt, auf die sich nichts reimt:

Ein älterer Schwabe aus Ulm
Fuhr’s Fahrrädle immer mit Hulm.
„A Pflicht ischs zwar net,
Nur’s wirkt so adrett.“
Erklärte der zwinkernde Schulm.


Anwendungsgebiete: Periphere Arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)

Einnahme: Gern täglich lesen oder neue erfinden. Wirkt erheiternd und durchblutungsfördernd.

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