04.01. +++ Im Dreck

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Die gestrenge Aufseherin der Nymphen.

Wie jeder weiß, gehört die Architektur, und damit auch die Gestaltung von Gärten, neben Malerei und Skulptur, zu den klassischen Disziplinen der Bildenden Kunst. Was nicht heißt, dass so ein Park leicht zu konsumieren ist, zumal im Winter. Der Nymphenburger Schlosspark, eine immerhin ziemlich große und historische Gartenanlage, empfängt uns jedenfalls erst einmal frostig und dreckig. Ich will jetzt nicht überkritisch sein, wenn man im Wald spazieren geht, ist es um die Jahreszeit auch eher unfreundlich, aber an so einen Park hat man eine andere Erwartungshaltung.

Die da lautet: Erquicke mich mit schönen Aussichten, verspielten Winkeln, großartigen Panoramen. Und angenehm zu erlaufen soll der Park auch noch sein. Dem Hund ist es hier freilich schon recht, denn hier sind Jogger, die zum heiteren Verfolgungsspiel einladen, Gänse, die zum Federlesen einladen, sowie viele andere Hunde, die auch nicht von der Leine dürfen, weil das in dem Park halt nicht erlaubt ist. Gar so sehr wurde die Natur im größten Teil des „Parks“ (ich gebrauche den Begriff in einem weiten Sinne) auch nun gerade nicht gezähmt, halt ein bisschen an die Leine gelegt, aber insgesamt bleibt er doch eher Mischwald, durchsetzt von kleinen Lusthäuschen mit von innen geschlossenen Läden. Und diese warten mit bösen kleinen Faunen auf. Das macht man doch, um Spaziergänger zu verstören, oder? So ein böser Faun ist doch nicht nett gemeint? Nymphen von mir aus, aber davon sind weit und breit keine in Sicht. Das Schloss selbst wirkt mit seiner schlichten, in charmantem Schimmelgrau gehaltenen Fassade auch eher wie vom real existierenden Sozialismus geprägt. Was nicht der Fall ist, natürlich, Bayern und Sozialismus, wo kämen wir da hin. Nennen wir es streng. Einen gestrengen Blick wirft das Schloss auf die sonntäglichen Spaziergänger, wie um zu sagen: „Seid froh, dass ihr hier reindürft, früher hätts das nicht gegeben, Bürgerliche im Schlosspark.“ Freilich, im Frühjahr kommt das alles bestimmt besser, wenn die Natur ein bisschen frisches Grün spendiert. Und wenn die wilden Wasser der Fontänen wieder in den weißblauen Himmel schießen. Im Augenblick, ich kanns nicht anders sagen, ist die ganze Architektur samt Park öd und trist. Was nicht heißt, dass man nicht gut mit ihr Leben kann. Man muss so einen dreckigen Park ja nicht ins Herz lassen, wie ein Musikstück oder ein Gedicht. Gute Architektur umfängt zärtlich, schlechte Architektur bleibt im Idealfall einfach weit weg. Wir jedenfalls verbringen schöne zwei Stunden im Nymphenburger Park und wundern uns gemeinsam über die Schlichtheit, aber die Jogger, die den Hund zur Bewegung animieren, animieren uns so indirekt gleich mit, und kalt wirds eigentlich nur, wenn wir über einen gewissen Zeitraum versuchen, ein Selfie mit Hund UND Schloss zu machen, denn so lange Arme haben wir einfach nicht.

Anwendungsgebiete: Verstopfung, depressive Verstimmung.
Einnahme: Bei gastrointestinalen Stauungen täglich eine Stunde im Park rumlaufen. Eine stimmungsaufhellende Wirkung entfalten Parkanlagen nur bei entweder guter Witterung oder ohnehin gutem Gemütszustand (aber in dem Fall kann man auch im Parkhaus spazieren gehen und dabei Spaß haben). Wenns aber schön ist, dann gern auch länger bleiben, unerlaubt den Rasen betreten und wild grillen. 

 

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