06.02. +++ Lungenentzündung in Kalifornien

George Gardner Symons, WINTER LANDSCAPE (1920, Öl auf Leinwand, 55x66 Zoll; Foto aus exhibbit)
George Gardner Symons, WINTER LANDSCAPE (1920, Öl auf Leinwand, 55×66 Zoll; Foto aus exhibbit)
Mein Freund Wikipedia schreibt (auf englisch) über den amerikanischen Maler George Gardner Symons (1861-1930), dass er als Impressionist gern im Freien arbeitete. Außerdem wird berichtet, er sei auf Winterlandschaften spezialisiert gewesen (die kann er dann wohl nicht in Kalifornien gemalt haben) und schließlich, dass er leider viel zu früh an einer Lungenentzündung verstarb. Es zeigt sich einmal mehr, dass Kunst, vor allem im Freien, gefährlich, wenn nicht gar tödlich sein kann. Ich habe mir heute Nachmittag eines seiner Werke (WINTER LANDSCAPE, 1920) in einer hübschen Galerie in Palm Desert, Kalifornien, angesehen, allerdings das Haus zu diesem Zweck nicht verlassen. Man kann ja nie wissen.

Ausstellung MASTERS OF CALIFORNIA IMPRESSIONISM von Heather James Fine Art
Ausstellung MASTERS OF CALIFORNIA IMPRESSIONISM von Heather James Fine Art

Ermöglicht wurde mein Besuch durch die App exhibbit, die Galerien und Künstler nutzen können, um virtuelle Ausstellungsräume zu kreieren, die Besuchern ein ziemlich gutes Gefühl für die Raumwirkung der von ihnen ausgestellten Kunst ermöglicht. Dadurch, dass der virtuelle Galeriebesucher seine Distanz vom Bild und seinen Betrachtungswinkel frei wählen kann, dass auf solche Details wie den Schattenwurf des Rahmens geachtet wurde, entsteht ein deutlich lebendigerer Eindruck von einem Bild als dies bei virtuellen Rundgängen sonst oft der Fall ist. Natürlich: Ein Gefühl für die Details, die Technik, letztlich für die Qualität eines Gemäldes lässt sich so nicht gewinnen, aber um zum Beispiel vorab zu klären, ob der Besuch einer Ausstellung überhaupt lohnenswert ist, dafür ist diese Anwendung genial.

Mr Gardner Symons war, soviel lässt sich sagen, stark von Monet und anderen französischen Vorbildern beeinflusst, was nicht heißt, dass sein Bild nicht originell wäre. Mich fasziniert immer wieder, wie unterschiedlich Wasser aussehen kann: Wenn die Umgebungstemperatur nur kalt genug ist, sehe ich Schlieren; beim Rudern ist es „schwerer“. WINTER LANDSCAPE hat diesen Eindruck greifbar eingefangen; das Bild atmet, trotz der warmen Farben der Laubreste im Hintergrund, klirrende Kälte. Es ist diese brillante Klarheit, durch das Wasser und den Schnee bestimmt, die die Atmosphäre des Bildes bestimmen, und die mich ohne weiteres Veranlassen würden, das Bild zu kaufen und in mein Landhaus in Massachusetts zu hängen. Auf die dunkle Holzvertäfelung im Arbeitszimmer. In den hellen Zimmern hier in München würde es nicht wirken.

Anwendungsgebiete: Prävention von Knochenbrüchen
Einnahme: Pizza bestellen, sonst niemanden reinlassen. Einkaufen kann man ja jetzt auch schon alles online. Heute morgen beim Hundespaziergang wären Watson und ich fast von einem vom Sturm abgewehten Ast erschlagen worden. Wie Ödön von Horvath! Lieber Onlinegalerien besuchen.

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