06.04. +++ Falscher Hase

Wer hat Angst vorm falschen Hasen? (Bild von www.daserste.de)
Wer hat Angst vorm falschen Hasen? (Bild von www.daserste.de)

Wenn erwachsene Frauen Hasenkostüme anziehen finden das viele Männer sexy. Wenn erwachsene Männer Hasenkostüme anziehen, finden das die meisten Menschen ziemlich armselig. Und, trotz aller Bemühungen, eine andere Wirkung zu erzielen, genau so kommt auch der heutige Hamburger Tatort FROHE OSTERN, FALKE, daher.

Ich bin nicht der größte Fan von Wotan Wilke Möhring, aber dessen schauspielerische Leistung hat meine Meinung über diesen als Osterkrimi konzipierten und dann wohl nicht zufällig ans Ende der Ostertage geschobenen Fall nicht in erster Linie bestimmt. Das weitaus größere Problem dieses Tatorts war sein Drehbuch (Buch und Regie Thomas Stiller), in dessen Textur sich pfaueneigroße Löcher auftaten. Für diejenigen die ihren Ostermontagabend mit was Schönerem verbracht haben: Eine kleine Gruppe nicht weiter beschriebener politischer Aktivisten, die in der Vergangenheit die „Heuchelei des Kapitals“ im allgemeinen mit Paintball-Atacken aufgedeckt haben, stattet sich für ihre neue Aktion (nicht ohne Diskussionen) mit scharfen Waffen aus und stürmt eine Charity-Gala für Flüchtlinge. Sie nimmt alle Anwesenden als Geiseln, von denen zwei erschossen werden. Das wird per Livestream im Internet übertragen. Anschließend warten sie, bis das Sondereinsatzkommando eintrifft und lassen sich erschießen. Der Clou: Eines der beiden Opfer war gar kein Kollateralschaden, sondern ein gezieltes Opfer – und alles andere nur die Tarnung für seine Ermordung, weil er nämlich für ein Rüstungsunternehmen arbeitete und seinen Arbeitgeber verklagen wollte. Das Ganze wird aufgedeckt, weil die Kollegin von Kommissar Falke (WWM), Katharina Lorenz (gespielt von Petra Schmidt-Schaller), zufällig unter den Gästen der Gala ist und Kontakt zur Außenwelt halten kann. Soweit, so hanebüchen.
 
Auch ihre sehr gute Performance konnte dieses  faule Ei nicht retten: Petra Schmidt-Schaller aka Kommissarin Katharina Lorenz (Bild von www.daserste.de)
Auch ihre sehr gute Performance konnte dieses faule Ei nicht retten: Petra Schmidt-Schaller aka Kommissarin Katharina Lorenz (Bild von www.daserste.de)

Problem 1: Die Täter. Na klar, es gibt politische Aktivisten, auch in Deutschland. Es gibt auch Grenzgänger zwischen Politik und Kunst, die ihre Aktionen als ein bisschen von beidem auffassen. Aber wer von denen hat (a) einen so unterirdischen Geschmack, sich diese dämlichen Hasenkostüme anzuziehen und ist (b) so dämlich, zwei Stunden mit Dutzenden von Geiseln zu warten, nachdem unabgesprochen einer aus der Gruppe kaltblütig einen Menschen erschossen hat und dann dummerweise noch ein unschuldiges Opfer zufällig ums Leben kam? Was wollen die denn? Wer sind sie? Was motiviert sie? Bei aller politischer Grundbildung – diese grotesken Täter und ihr völlig nebulöses Verhalten entzieht diesem Krimi jede Grundlage. Problem 2: Die Ermittlungen. Nachdem der böse Oberhase, der eigentlich gar kein politischer Aktivist, sondern ein Auftragsmörder, ein falscher Hase ist, sein erstes Opfer erschossen hat, erhält Kommissarin Lorenz geleitet von ihrem Bunny-Instinkt oder auf Grund göttlicher Inspiration die Eingebung, dass das kein zufälliges Opfer war, sondern, dass der Mann ermordet wurde. Es gibt keinen Anhaltspunkt für ihre Vermutung, wohl aber einen Grund: Es muss ja überhaupt irgend etwas passieren, in diesem Tatort. Denn wenn schon die Bunnys ohne Sinn und Verstand auf die Polizei warten, sollte die Polizei ja nicht zusätzlich auch noch ausschließlich warten, was sie ohnehin schon zum großen Teil tun, nämlich auf Problem 3: Das MEK (Mobiles Einsatzkommando). Sobald Kommissar Falke den Ort der Geiselnahme gefunden hat, rollen die Herren in Schwarz an und übernehmen das Kommando. Die haben die Lage sehr schnell analysiert: Es gibt Geiseln, es gibt Geiselnehmer, die Telefonleitungen wurden gekappt. Fazit: Die wollen nicht verhandeln – dann erschießen wir sie. Für den unwahrscheinlich Fall, dass es ein solches Protokoll bei deutschen Sicherheitskräften gäbe, dann wäre es wert, zum problematischen Zentrum eines Tatorts zu werden, und nicht, nach dem Motto – „so ist das nunmal – Geiselnehmer erschießen wir“ – die Grundlage für diesen idiotischen Plot. Es ist sicher richtig, dass das Motto „Wir verhandeln nicht mit Terroristen“ in den letzten vierzehn Jahren verstärkt um sich greift, aber ganz so weit, behaupte ich, sind wir noch nicht.

Das Ergebnis ist eine Story, die sich zieht wie Kaugummi, mit Thriller-Elementen aufwartet, die nur einen Zuschauer für 30 Sekunden fesseln, der zufällig reinzappt, und folgende Aussage vermitteln: 1. Politische Aktivisten sind Idioten, die sich von jedem halbwegs intelligenten Menschen für seine Zwecke manipulieren lassen, und noch nicht mal merken, wenn sie ganz tief in die Scheiße reingeritten werden. 2. Das Kapital ist korrupt, aber da brauchen wir weiter nicht drüber zu sprechen. 3. Die Anti-Terroreinheiten sind auch anti-rechtsstaatliche Einheiten, die ganz ähnlich der idiotischen Hasen ganz leicht für kriminelle Zwecke manipuliert werden können. 4. Leg dich nicht mit der Rüstungsindustrie oder den politischen Verhältnissen an, da kannste eh nix machen. Da ich nicht ungerecht sein will, sei gesagt, dass sowohl die schauspielerischen Leistungen als auch die Regie nicht schlecht waren, aber dieses Drehbuch war das schlechteste, das ich je in einem Tatort umgesetzt zu sehen das Missvergnügen hatte.

Anwendungsgebiete: Magenverstimmungen nach üppigen Festtagsgelagen.

Einnahme: Manchmal helfen nur radikale Maßnahmen, dann muss man sich entweder den Finger in den Hals stecken – oder nochmal den ganzen Tatort angucken.

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