09.02. +++ Wie Bier klingt

Viel cooler als SHADES OF GREY: DIFFERENT SHADES OF BLUE von Joe Bonamassa (Foto von www.en.wikipedia.org)
Viel cooler als SHADES OF GREY: DIFFERENT SHADES OF BLUE von Joe Bonamassa (Foto von www.en.wikipedia.org)

Man kann sich seine Drogen nicht aussuchen. Ich glaube, es ist wissenschaftlich bewiesen, und wenn nicht, sei es zumindest emphatisch behauptet: Die Affinität zu bestimmten Suchtstoffen ist genetisch. Ich zum Beispiel wäre niemals Vegetarier geworden, wenn ich das gleiche Verlangen nach Fleisch verspüren würde, das ich nach Keksen habe, oder Zucker ganz allgemein. Nikotin ist mein Verderben nicht; Alkohol ist ein Mittelding; ich kann es ohne weiteres ohne aushalten. Manchmal allerdings, manchmal trinke ich ganz gern ein Bier, und ich habe heute festgestellt, dass sich das Verhältnis zwischen Joe Bonamassa und mir in der Zukunft wohl bierähnlich entwickeln wird.

DIFFERENT SHADES OF BLUE, sein Studioalbum vom letzten Jahr, das sich durch einen rockigen Sound auszeichnet, ist erfrischend, leicht kantig, macht wach und mit Sicherheit keine Kopfschmerzen, wenn man ein bisschen mehr davon hört. Ich habe versuchsweise mal dem Hund den Kopfhörer hingehalten, aber der fand den Sound wohl zu grob für seine empfindlichen Ohren, jedenfalls wandte er sich empört ab (Nein, das war keine Tierquälerei. Er ist ja sonst auch kein Sensibelchen, der Hund. Und überhaupt müssten wir uns in dem Kontext auch mal über Menschenquälerei unterhalten). Naja, um nicht zu weit abzuschweifen: Der Mann kann hervorragend mit seiner Gitarre umgehen, wahrscheinlich noch ein bisschen besser, als singen. Die Texte sind nicht eben poetische Meisterwerke, aber insgesamt bewegt sich das Album auf einem handwerklich sehr ordentlichen Niveau. Manche Tracks, z.B., „I gave up everything for you, ‚cept the blues.“ sind schon ein bisschen sehr Rock’n’Roll, was ich nicht so spannend finde, bzw. einfach nicht so originell wie etwa den Titelsong „Different Shades of Blue“. Hier hat die Gitarre ihre eigene Stimme und ist nicht so im Rock’n’Roll-Raster eingekastelt.

Typ idealer Schwiegersohn, zumindest für Handwerker-Schwiegerväter: Joe Bonamassa (Foto von www.en.wikipedia.org)
Typ idealer Schwiegersohn, zumindest für Handwerker-Schwiegerväter: Joe Bonamassa (Foto von www.en.wikipedia.org)

Insgesamt ist diese Musik, der Gestus, deshalb so schön, weil sie Vitalität, Gesundheit, Lebensfreude ausstrahlen. Nicht im Sinne einer harmlosen Happy-Konfetti-Stimmung, sondern mit dem Klang von körperlicher Arbeit und handfestem Essen. Sowas wie Linsensuppe. In meiner Kindheit war Linsensuppe so ein typisches Samstagsessen, das die Arbeitswoche quasi abschloss. Wenn man am Samstag noch mal richtig was geschafft hatte, konnte der Sonntag anfangen, an dem dann auch mal Raum für sowas wie lesen oder fernsehen war. Oder Kultur. Bonamassa ist hundertprozentig für Samstage geeignet, inklusive Wohnung saubermachen, Auto saugen und sogar kleinere Renovierungsarbeiten. Da fällt mir ein, dass ich heute nach der Lampe auf der Terrasse gucken wollte. Mist, jetzt ist es zu dunkel. Das kommt davon, wenn man immer nur so komische Kultursachen macht, und keiner ehrlichen Beschäftigung bei Tageslicht nachgeht. Na, vielleicht werde ich mich irgendwann bessern. DIFFERENT SHADES OF BLUE wird mich dabei sicher begleiten.


Anwendungsgebiete: Adipositas

Einnahme: Man kann auch bei regelmäßiger Hausarbeit abnehmen. Einfach Joe Bonamassa auflegen und rhythmisch Staubwischen bzw. Fenster putzen. Sie können dann gleich auch noch bei mir vorbei kommen.

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