11.11. +++ Das Schweigen

Lassen wir sie weiterreden und weitermachen, oder sagen wir was dazu? Links die Brandstifter, rechts Biedermann.
Lassen wir sie weiterreden und weitermachen, oder sagen wir was dazu? Links die Brandstifter, rechts Biedermann.

Es war scharf formuliert, das gebe ich zu: „Wer wegguckt, wenn Brandstifter sich in der Nachbarschaft einnisten, der reicht ihnen das Feuerzeug. Und wer schweigt, wenn Pegida, AfD und andere Rechtsextreme demonstrieren, der hat Freiheit und Demokratie nicht verdient.“ Dieses Fazit habe ich ans Ende der To-Go-Version von Frischs BIEDERMANN UND DIE BRANDSTIFTER gestellt. Es hat viel Zustimmung hervorgerufen, aber auch Widerspruch. Dieser Widerspruch, insbesondere von einer Nutzerin auf Facebook, hat mich etwas mitgenommen, weil es sich dabei um eine ausgefeilte Argumentation handelte, etwa in folgendem Sinne: „Woher nehmen Sie das Recht, bestimmte Positionen zu verdammen? Demokratie lebt doch von der Diskussion. Gibt es jetzt eine Zensur oder was?“ Es fielen Begriffe wie „besorgte Bürger“ und es wurde unterstellt, ich würde „Angst schüren“, indem ich diese armen Leute in eine rechtsextreme Ecke stelle.

Ich erzählte einer Bekannten, die ich mag und für intelligent halte, von diesem Austausch und fiel aus allen Wolken, als sie der Kritikerin bis zu einem gewissen Grade recht gab. „Diese rechten Positionen hat es immer schon gegeben. Das macht es nicht besser, aber man es schlimmer, wenn man die nicht-Rechtsextremen, die da mitdemonstrieren, als solche denunziert.“ So lautete der Tenor dessen, was sie sagte. Das hat mich schockiert, mir aber auch zu denken gegeben. Muss ich mir die Kritik anziehen, ein „Scharfmacher“ zu sein, wenn ich die schweigenden, mitmarschierenden Unterstützer von Ausländerfeinden als Rechtsextreme bezeichne? Ich verstehe, dass das schockierend sein kann, aber ich glaube, dass ein solcher Schock bitter nötig ist für diejenigen, die auch nur ansatzweise Sympathien empfinden für die Diskussionsverweigerung von Pegida, für die Hetzparolen der AfD und die generelle Angstmacherei vor einer „Islamisierung“ Europas.

Für mich gibt es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen derart nationalistischen und ausländerfeindlichen Diskursen und dem Brennen von Flüchtlingsunterkünften. Wenn dieses Gedankengut unwidersprochen seinen Raum in unserem Land hat, dann führt es nämlich zu Taten. Also muss denjenigen, die es schweigend unterstützen, ein Spiegel vorgehalten werden, und der ist die deutsche Geschichte: Wer bei den Anfängen von Rechtsextremismus schweigend dabei steht, der wird nicht nur zum Mittäter, sondern – und das ist geschichtlich ebenso wie bei in Frischs Stück der Fall – sogar zum Selbstmörder, denn er sägt den Ast ab, auf dem er selbst sitzt. Bin ich für Denk- oder Diskussionsverbote? Auf keinen Fall. Soweit ich weiß, sind die Anhänger von Pegida diejenigen, die sich dem politischen Diskurs verweigern und erstmal schweigend dagegen sind. Bin ich dafür, dass man Ängste nicht aussprechen darf? Auf keinen Fall.

Jeder hat Ängste, zum Beispiel um den eigenen Wohlstand, zum Beispiel davor, nicht mehr sicher zu sein, zum Beispiel davor, wie unsere Gesellschaft sich weiter entwickelt angesichts einer massiven Flucht- und Migrationsbewegung. Die Frage ist, ob wir unsere Ängste Rechtspopulisten anvertrauen, die daraus politisches Kapital schlagen – egal ob sie NPD, AfD, Pegida oder Goldene Morgenröte heißen. Ich bin ein ausgesprochen bissiger Patriot, wenn es um das Grundgesetz und die Werte geht, die darin vertreten werden: Freiheit, zum Beispiel der Religion und der Kunst; Menschenwürde; Demokratie. Und darüber lasse ich in der Tat nicht mit mir diskutieren und verhandeln, de

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