12.01. +++ Radioheadache (cleansing)

Album Cover IN RAINBOWLANDS (Foto von Wikipedia)
Album Cover IN RAINBOWS (Foto von Wikipedia)

Beim zweiten Song auf dem Album hab ich Kopfschmerzen bekommen, aber beim dritten waren sie wieder verflogen: IN RAINBOWS von Radiohead ist für mich Neuland, was den bewussten Musikgenuss angeht, aber ich habe es nicht bereut dieses interessante Album zu mir genommen zu haben – der Initiationskopfschmerz war vielleicht so etwas wie Lehrgeld, das ich zahlen musste.Ich will mich heute mal nicht über die bösen Auswüchse des Informationszeitalters beschweren, denn die perfide kleine Funktion „Kunden kauften auch“ hat mich erst auf die Spur dieser Band gebracht. Wie haben die Leute das früher gemacht? Da musste man am Ende noch in ein Geschäft gehen und Fachkräfte um Empfehlungen bitten, oder gar irgendwelche Freunde. Schreckliche Vorstellung, allein die Ansteckungsgefahr! Im übrigen muss ich alle Fans dieser und ähnlicher Musik pauschal um Verzeihung bitten, wenn ich mir im Folgenden erlaube, mich völlig dilettantisch über sie zu verbreiten, aber das muss ja auch erlaubt sein, nämlich „dilettare“, also genießen, ohne Vorwissen. Immerhin ist das die große Stärke dieser Musik, genauso wie Popmusik im allgemeinen: Es ist kein Vorwissen nötig, um sie zu genießen. Das ist keineswegs bei jeder Kunstform so: In der Oper oder bei einer performativen Installation kanns schon mal passieren, dass man mangels Orientierung einschläft. Ja, von mir aus auch bei neuerer Popmusik, aber es ist ja kein Zufall, das öfter Popmusik im Radio läuft als performative Installationen. Jedenfalls gefällt mir auf diesem Album, diesem Roadmovie durch die unterschiedlichsten Ecken des Regenbogenlands, Track Nr. 3, NUDE, am besten. Ich habe keine Ahnung, was der freundliche Sänger singt, aber das Gefühl, das er vermittelt, ist bemerkenswert, nämlich das hilflose aber angenehme Versinken in einen Ozean, der nach jedem Abschnitt immer noch tiefer ist. Generell sind die Songs allesamt nicht platt, sondern vielschichtig, sie entwickeln sich, sie nehmen unerwartete Wendungen in neue Klangfarben, sie erzählen Geschichten. Vieles erinnert mich an Folkharmonien, an die Achtziger, aber ich könnte die Einflüsse oder Assoziationen niemals in eine bestimmte Richtung zusammenfassen. Die Grundstimmung ist ein bisschen rauschhaft, aber nicht zugedröhnt, eher erhaben. Vielleicht ein komisches Wort in diesem Zusammenhang, aber das ist es, was mir diese Musik wertvoll macht: Sie begeht feierlich sich und das Leben. Da ist ein kurzer Kopfschmerz nur ein kleiner Preis für dieses Gefühl.


Anwendung: Verstopfte Nebenhöhlen, auch eitrig entzündet.

Einnahme: Unbedingt mit Kopfhörer und schön laut hören, spätestens bei Track drei hat sich was gelöst. Ganz sicher.

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