13.02. +++ Game of Thrones

Ganz klar von den falschen Beratern umgeben: King John, hier im lebensechten Disney-Portrait (Bild von www.blogs.disney.com)
Ganz klar von den falschen Beratern umgeben: King John, hier im lebensechten Disney-Portrait (Bild von www.blogs.disney.com)
Eigentlich kennt ihn jeder aus den unterschiedlichsten Robin-Hood-Bearbeitungen, er ist der große Bösewicht hinter so kleinen wie dem Sheriff von Nottingham, der ewige Unzufriedene, der gern König sein möchte, und schließlich der Usurpator des Throns seines Bruders,  – Prince John. Was die Popkultur nicht so sehr interessiert ist die Tatsache, dass aus Prince John nach dem Tod seines Bruders Richard Löwenherz tatsächlich King John wurde. Gibt man allerdings „John I. (England)“ bei Wikipedia ein, wird man zu einer Seite mit dem wenig schmeichelhaften Titel „Johann Ohneland“ weitergeleitet. Denn nach der Erbfolge wäre John eigentlich leer ausgegangen, jedenfalls mit Sicherheit kein König geworden, und doch konnte er sich immerhin 17 Jahre auf dem englischen Thron halten. Es würde jetzt zu weit führen, in die Niederungen der englisch-französischen Geschichte an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert einzutauchen, denn letztlich sind die historischen Ereignisse, die in Shakespeares KING JOHN verhandelt werden, recht überschaubar. Was das Stück bei aller Langwierigkeit spannend macht, ist die Antriebsfeder, von der alle Beteiligten motiviert werden – die Krone.
 
Er hatte immer ein bisschen gespanntes Verhältnis zur Kirche: King John (Bild von www.de.wikipedia.org)
Er hatte immer ein bisschen gespanntes Verhältnis zur Kirche: King John (Bild von www.de.wikipedia.org)
Die Ausgangssituation im Stück ist folgende: John hat einen Neffen namens Arthur, der Sohn seines älteren Bruders Geoffrey ist. Nach der Primogenitur wäre eigentlich Arthur der rechtmäßige König (jedenfalls beruft sich dessen Mutter auf ein entsprechendes Testament des Vorgängers Richard). Arthur hält sich zu seiner persönlichen Sicherheit beim französischen Konkurrenzunternehmen (König Philipp III.) auf. Und dieser fordert nun John auf, zugunsten seines Neffen abzudanken. Komischerweise denkt John nicht daran, und so gibt es Krieg. Vor den Toren von Angers treffen sich die Heere. Die Stadt gehört bisher zu Johns Besitzungen, deshalb fordert er Einlass; umgekehrt fordert Philipp die Stadt auf, den rechtmäßigen König anzuerkennen. Die Städter geben sich schlau und sagen, sie wüssten leider nicht, wer recht hat, deswegen sollten sich die beiden Heere sich ruhig ohne sie einigen. Und die tragen tatsächlich eine Schlacht aus, in der es dummerweise keinen eindeutigen Gewinner gibt. Als Angers die Stadttore jetzt immer noch nicht öffnen will, haben die beiden Könige die Nase voll und beschließen sich vorübergehend zu verbünden, um erstmal die Stadt platt zu machen und anschließend wieder gegen einander zu kämpfen. Das gefällt aus verständlichen Gründen den Stadtbewohnern nicht, weshalb sie die tolle Idee haben, Frieden zu stiften, indem Johns Nichte den französischen Thronfolger heiratet. Und tatsächlich passiert das, und alle (außer Arthur und seiner Mutter) sind froh und glücklich, da trifft ein päpstlicher Legat ein, wegen eines von John abgesetzten Bischofs. Er fordert den König auf, diesen wieder einzusetzen, und als John sich weigert, exkommuniziert er ihn und droht König Philipp das Gleiche an, wenn er sich nicht auf Seiten Roms schlagen sollte. Und der folgt tatsächlich dem Ruf der Kirche, und jetzt geht der Krieg richtig los. Ohne weiter auf die Details einzugehen: Am Ende ist Arthur ebenso tot wie John, und dessen Sohn wird jetzt King Henry III.
 
Ein Nachfahre der ganzen Königsmeschpoke - zumindest im Geiste: King Joffrey Baratheon (Bild von http://gameofthrones.wikia.com)
Ein Nachfahre der ganzen Königsmeschpoke – zumindest im Geiste: King Joffrey Baratheon (Bild von http://gameofthrones.wikia.com)

Das Spannende an diesem Stück ist, das Shakespeare eine Studie des Eigennutzes daraus macht. Es gibt eine Clownsfigur namens Faulconbridge, liebevoll kurz „Bastard“ genannt (weil er ein unehelicher Sohn von Richard Löwenherz ist). Dieser Bastard, den John zu seinem Handlanger macht, hat einerseits Logorrhoe und andererseits etwas Narrenfreiheit, jedenfalls ist er bei allen entscheidenden Szenen des Stückes anwesend und kommentiert viele von ihnen anschließend. Besonders interessant ist sein Monolog nachdem der Kuhhandel um die Heirat zwischen der Nichte Johns und dem Dauphin statt gefunden haben: Faulconbridge kann sich nur wundern, wie „Commodity“ (also die Bequemlichkeit, der Eigennutz) hier den Lauf der Welt komplett verändert hat, und zwar von jetzt auf gleich. Keine Ehre, keine Prinzipien scheinen von Dauer zu sein, wenn etwa die eigene Macht bedroht ist. Um des eigenen Vorteils willen werden gerade geschworene Eide ohne Hemmungen über Bord geworfen. Da soll mir noch jemand was vom Werteverfall heutzutage erzählen: Es steht alles schon bei Shakespeare, freilich deutlich ausführlicher als im TV-Vorabendprogramm. George R. R. Martin, der Autor der Fantasy-Erfolgsreihe A SONG OF ICE AND FIRE, die als GAME OF THRONES verfilmt wurde, hat sich jedenfalls deutlich von Shakespeares Historiendramen, und vor allem von KING JOHN beeinflussen lassen. Das Besondere an diesem Stück ist es, dass alle Parteien ein ausgesprochen entspanntes Verhältnis zu Prinzipien und ein intensives Interesse an der Krone beziehungsweise dem eigenen Vorteil haben. Es sind zwar nicht siebzehn Parteien, wie bei Martin, die um die Krone streiten, sondern nur zwei, dafür wechseln diese so oft politische Allianzen und die religiöse Überzeugungen, wie andere Leute die Unterwäsche. Es gibt viel zu entdecken, in diesem Stück: Der gemischte Charakter von John, den bereits erwähnten Bastard, die Mütter von John und Arthur, die sich intensiv in die politischen Auseinandersetzungen einmischen, und viele andere Figuren mehr. Wir haben in Deutschland meist kein besonders großes Interesse an Shakespeares Historiendramen auf der Bühne, aber gerade aus diesem Stück ließe sich eine höchst spannende Metapher der heutigen Politikkultur machen.


Anwendungsgebiete: Entzündungen der Nasenscheidewand
 

Einnahme: Dieses und andere Historiendramen Shakespeares regelmäßig lesen, dann nimmt der Größenwahn ab, und mit ihm die Notwendigkeit, regelmäßig zu koksen, was zu einer unmittelbaren Verbesserung der Nasenschleimhautflora führen wird.

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