16.04. +++ Das Schweigen

Unberechenbare Frühlingsgefühle brechen aus und machen das Leben so anstrengend...
Unberechenbare Frühlingsgefühle brechen aus und machen das Leben so anstrengend…

Haben Sie ihn vermisst? Wahrscheinlich nicht. Ich schon. Den täglichen Senf zur Kunst, und zwar fast zwei ganze Wochen lang. Zum ersten Mal seit Anfang des Jahres habe ich die tägliche Bloggerei unterbrochen, weil (a) Ostern war, (b) ein kulturelles Großprojekt ins Haus geschneit kam und meine Aufmerksamkeit fesselte und (c) ich tatsächlich etwas mehr Sport gemacht habe. Das soll natürlich alles nicht so bleiben, vor allem mit Ostern ist es jetzt endgültig vorbei, für dieses Jahr, noch nicht mal orthodoxe Ostern sind mehr. Da es sich bei diesem Blog um einen Langzeitversuch zum regelmäßigen Kulturkonsum handelt, will ich an dieser Stelle die Folgen der Schreibabstinenz zusammenfassen.

 
Tag 1 
Heute keinen Blogeintrag geschrieben. Wir hatten Besuch und soziale Kontakte sind natürlich wichtiger, als immer dieses Rumgehacke auf dem Rechner. Ich kann ja schlecht aufstehen und sagen: „Bleibt ruhig noch ein bisschen sitzen, trinkt noch was, ich muss noch schnell eine Novelle lesen und dann einen Blogbeitrag verfassen.“ Hmtja, da heißt es Zähne zusammenbeißen und am nächsten Tag zwei Beiträge schreiben.
 
Tag 2 
Habe heute über den Tatort geschrieben, gut dass es Ostern auch Montags einen gibt. Nur zum Nachholen des gestrigen Beitrags bin ich nicht mehr gekommen. Schlechtes Gewissen. Und schlechtes Wetter. Es geht Hand in Hand. Habe großen Respekt vor dem Arbeitspensum diese Woche.
 
Tag 3
Das Nützliche, das Angenehme und das Nützliche verbunden: Ein Computerspiel, eigentlich eine App, die ich für mein Projekt PHONE HOME studiert habe, war einen Blogbeitrag wert. Es geht wieder aufwärts, Gottseidank.
 
Tag 4
Endlich EFFI BRIEST fertig gelesen. Man ist schon immer unter einem gewissen Druck, wenns jede Woche ein neues Video geben soll. Aber über die so verhackstückten Werke kann ich nicht auch noch bloggen. Nur für was anderes habe ich heute echt keine Zeit mehr. Also morgen wieder zwei Beiträge? Mal sehen.
 
Tag 5
Das Video ist fertig, aber es muss jetzt aufgeräumt und der Familie geholfen werden, keine Zeit für weitere Kultur. Außerdem wird das Wetter merklich besser.
 
Tag 6
Ich werd richtig kribbelig. Das hol ich doch nie wieder auf, mit den Blogbeiträgen. Natürlich geht der Arbeitsalltag irgendwie vor, das ist ja mehr so eine therapeutische Maßnahme, dieser Blog, nur die Therapie sollte man besser nicht schleifen lassen, oder? Auch Abends noch was vor. Keine Zeit, keine Zeit.
 
Tag 7
Radtour, gutes Essen, schönes Wetter. Wer sich sozial bzw. sportlich bzw. in der Natur betätigt, ist oft kulturell eingeschränkt. Ich versuche mich zu entspannen, aber so richtig gelingts mir nicht. Es fehlt die inhaltliche Zufriedenheit, Befriedigung.
 
Tag 8
Immerhin: Zur Feier des Abiturs in Nordrhein-Westfalen mache ich heute und morgen jeweils ein weiteres Extra-Video. Das macht einerseits Spaß und ist andererseits kulturell, aber die Schreibentzugserscheinungen sind nach wie vor vorhanden und machen sich in Kribbeligkeit und Hibbeligkeit bemerkbar.
 
Tag 9
Eigentlich Wahnsinn, IPHIGENIE innerhalb von ein paar Stunden so zu verwursten, aber, unter uns, das Stück hats natürlich auch nicht anders verdient. So bleibt im Dienste der kulturellen Bildung keine Zeit mehr, noch was Freies im Blog zu schreiben, denn es muss ja nebenher auch was Vernünftiges gearbeitet werden.
 
Tag 10
So, endlich den ersten Frankentatort mit Hilfe der ARD-Mediathek aufgeholt, das ist natürlich nicht so schön wie live, aber immerhin war der Krimi die investierte Zeit wert. Morgen schreib ich einen Blogbeitrag drüber…
 
Tag 11
… nicht. Keine Zeit. Termine, Druck, keine Kultur, ich bin unglücklich. Soweit das bei der Sonne und dem Hund möglich ist.
 
Tag 12
Auch wenn es sich mühsam ernährt: Mein neues Wappentier (wohnt in unserem Garten).
Auch wenn es sich mühsam ernährt: Mein neues Wappentier (wohnt in unserem Garten).

Heute. Jetzt ist Schluss mit diesem blödsinnigen Entzug, man kann auch bewusstseinserweiternde Substanzen wie Kultur kontrolliert konsumieren, ohne gleich in krankhaftes Suchtverhalten zu verfallen. Ja, sicher, ich könnte auch ohne Kultur glücklich werden, wenn ich – also unter der Voraussetzung, dass – ich bräuchte dazu nur… Nein. Ich bin ziemlich sicher, dass ich ohne Kunst nicht glücklich sein kann. Und ich spreche nicht nur vom Konsum, sondern genauso vom Selbermachen. Vielleicht sollte ich mal eine Nebenstudie dazu machen, was genau ich an der Kunst brauche, bzw. was meinem Ego da so reizvoll erscheint. Bis dahin nehme ich einfach meine alten Gewohnheiten wieder auf. Vivat AN ARTWORK A DAY!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.