18.01. +++ Im Flachen

Ketil Bjørnstad, DEVOTIONS (Foto von www.amazon.com)
Ketil Bjørnstad, DEVOTIONS (Foto von www.amazon.com)

Ich muss jetzt auch mal was Kritisches loswerden. Seit Beginn meines Kunstexperiments habe ich mindestens drei Kilogramm zugenommen und bin sehr viel empfänglicher für Stimmungsschwankungen auf Grund des Wetters geworden, was im Ekelmonat Januar kein Spaß ist. Ich schreibe das der Steigerung der Sensibilität zu, die unweigerlich durch den Kunstkonsum eintritt, denn wenn die Empfindungen trainiert werden, werden sie auch in den Bereichen feiner, wenn das gar nicht Vorteil ist. Und dann muss man sich natürlich besser vor den Unbilden der Welt schützen. Mit Fettpolstern… naja der Körper hat halt nur eine begrenzte Art von Reaktionsmöglichkeiten. Dabei ist eines völlig klar: Je mehr Kunst ich zu mir nehme, die wirklich spitzenmäßig ist und mich total berührt, desto riskanter ist der Konsum. Weiß ja jeder Junkie – auf jedes High folgt ein Down. Deshalb wäre es sicher gesünder, womöglich sogar klüger, mehr mittelgute Kunstwerke zu konsumieren, die keine intellektuellen oder emotionalen Feuerwerke abbrennen, aber eben auch weniger Katzenjammer verursachen.

Ich habe das heute mal versucht und mich mit mir selber auf die CD DEVOTIONS des norwegischen Jazzpianisten Ketil Bjørnstad geeinigt, die dieser 2007 mit Arild Andersen, Alex Riel und Wolfgang Puschnig aufgenommen hat. Fans werden jetzt vielleicht aufschreien, aber für mich fällt diese Musik in die Kategorie „angenehm“, die CD ist eine ruhige Landschaft, in der sich Klavier, Flöte, Percussion, Saxophon u.a. begegnen. Wenig melodiös und sehr atmosphärisch; durchaus ausdrucksstark, soweit diese Art von Jazz es sein kann; handwerklich absolut makellos und weit davon entfernt stereotyp zu sein – und doch ist es nicht meine Musik, ich fühle mich nicht genötigt, ins ganz tiefe Wasser zu gehen, ich bleibe immer im Flachen. Das ist ganz nett, aber natürlich am Ende nicht erfüllend, es bleibt immer noch eine Sehnsucht nach mehr. Morgen such ich mir wieder was, das mich anspringt, und nicht nur so vorbei plätschert.

Am Ende ist das Risiko ja jetzt auch nicht so groß, gell? Gefahr erkannt – und außerdem schütze ich mich ja jeden Tag mit den kleinen Texten hier vor den negativen Folgen der großen Kunst.


Anwendungsgebiete: Akute Langeweile

Einnahme: Einfach auf den MP3-Player laden, irgendwann ergibt sich bestimmt eine Gelegenheit das Album zu hören. Z.B. bei einem sehr langen Aufenthalt im Fahrstuhl.

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