19.02. +++ Luxustiere

Münchner im Herzen: Martin Schubert, Florian Schröder und Marc Hörger (Bild von www.facebook.com/opusleopard)
Münchner im Herzen: Martin Schubert, Florian Schröder und Marc Hörger (Bild von www.facebook.com/opusleopard)

Ich hätte wahrscheinlich auf Facebook dran vorbei geklickt, oder auf Vimeo oder Youtube, aber Empfehlungen verhelfen uns ja oft zu kulturellen Glücksmomenten. Mein heutiges Kunstwerk verdanke ich einem der Mitwirkenden bei Opus Leopard, einer geographisch Ulmer, geistig-musikalisch Münchner Musikensemble. Es handelt sich um das neue Album der Gruppe, das den schönen Titel FUTTER FÜR DIE GÖTTER trägt. Glücklicherweise bin ich nicht verpflichtet, den Stil zu analysieren, denn dazu kenn ich mich zuwenig aus. Ist es Elektropop? Die flächigen Musikbetten klingen jedenfalls stark nach den Achtzigern, und darüber breitet Sänger Florian Schröder seinen sehr charakteristischen Sprechgesang aus. Alle sagen es, deshalb ist es nicht besonders originell es zu wiederholen, aber die erste Assoziation ist nunmal Falco. Die leicht österreichische Färbung, das charakteristisch gerollte „R“ – all das beschwört die Erinnerung an den Glanz des alpenländischen Troubadours herauf. Glanz, darum gehts generell in diesem Album. Der Sound perlt, die sprachlichen Bilder schildern den glänzenden Lifestyle der jeunesse dorée – hauptsächlich in München, weil München ist halt einfach cool, oder?

Ist das Faible für Raubkatzen eine versteckte Applewerbung? (Foto von www.facebook.com/opusleopard)
Ist das Faible für Raubkatzen eine versteckte Applewerbung? (Foto von www.facebook.com/opusleopard)

Na jetzt mal im Ernst: es geht um männliche Raubtiere und weibliche Katzen, ums Genießen der Jugend und wie bestimmt vom Geld alles ist. Sowohl musikalisch als auch inhaltlich sind es Flächen, Zustandsbeschreibungen, die aus Slogans zusammengesetzt werden, oft nur einzelnen Worten, die das Mosaik einer schillernden, aber oberflächlichen Partywelt bilden. Sich amüsieren, balzen, wie Raubkatzen durch die Nacht ziehen und Beute machen, ein bisschen mit ihr spielen, und sie wieder fallen lassen, um weiter zu ziehen, das sind wichtige Themen des Albums. Ich unterstelle den Machern, dass sie diese Form der Existenz, die für die gefühlte Jugend (also alle unter sechzig, die sich noch in eine Lederjacke zwängen können) das Nonplusultra ist, durchaus kritisch beleuchten wollen, und es gibt immerhin auch den einsichtigen Titel LIEBE GIBT ES NICHT UMSONST auf dem Album.

Aber ganz generell ist der Eindruck doch eher der einer Feier – einer Hymne. Dabei gefällt mir der Sound sehr gut, sowohl instrumental als auch im Zusammenspiel mit dem Sänger, allerdings dürfte das ganze für meinen Geschmack deutlich knapper daher kommen. Auch bei den Texten, die durchaus schöne Wendungen haben, wären ein paar Striche wohltuend. Aber natürlich ist das Geschmackssache, ich bin halt ein Dramaturg und hab eine Schwäche für Anfang, Mitte und Ende – und diese Flächen werden eben nicht von, sagen wir mal Gebirgszügen unterbrochen, wie der Name schon sagt. Dennoch: Es war ein Spaß, Opus Leopard kennen zu lernen, denn es ist doch wunderschön zu wissen, das andere sich nach der Stadt sehnen, in der man selber lebt.


Anwendungsgebiete: Nachtblindheit

Einnahme: Wenn der Weihnachtsglanz verflogen, die lauen Frühlingsnächte aber einfach noch nicht auftauchen wollen, und alles viel zu trübe wirkt, dann hilft ein bisschen Abglanz der Strahlkraft von Opus Leopard ganz sicher.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.