28.06. +++ Privatissimum

Zurückbleiben, bitte! Leider löst sich die Machopose von Kommissar von Meuffels (Matthias Brandt) gegenüber der temporären neuen Kollegin Constanze Hermann (Barbara Auer) nicht ein. (Bild von www.daserste.de)
Zurückbleiben, bitte! Leider löst sich die Machopose von Kommissar von Meuffels (Matthias Brandt) gegenüber der temporären neuen Kollegin Constanze Hermann (Barbara Auer) nicht ein. (Bild von www.daserste.de)

Erstmal war ich erstaunt; darüber nämlich, dass es in München offenbar einen Tatort UND einen Polizeiruf gibt, aber eigentlich ist das in einer so wohlhabenden Stadt natürlich nicht überraschend. Bei den Mietpreisen sind logischerweise mehr Morde gefragt als im Rest der Republik, irgendwie muss der Wohnungsmarkt sich ja mal bewegen. Meine zweite Reaktion auf die Begegnung mit den beiden Ermittlern von Meuffels (Matthias Brandt) und Hermann (Barbara Auer) war leichte Erheiterung, ob der großartig einsilbigen Szene auf dem Waldweg. Einziger Subtext von Matthias Brandt: „Gib mir endlich die Landkarte, du dumme Kuh.“

Wirkte ein bisschen so, als ob die beiden schon jahrelang miteinander verheiratet wären. Und doch, so stellte sich heraus, waren sie ein niegelnagelneues Ermittlerteam, das freilich, so wollte es Drehbuchautor Hans Fromm, nur dieses eine Mal zusammen ermitteln sollte, ein kleiner Kreisverkehr, sozusagen, innerhalb der größeren Geschichte der heutigen Polizeirufepisode KREISE. Und um es vorweg zu nehmen: Genauso spannend wie der Titel klingt, war der ganze Krimi.

Der arme Jan Messutat als Einsatzleiter Schrader hatte  in diesem schauspieler- und handlungsarmen Polizeiruf beklagenswert wenig zu tun. (Bild von www.daserste.de)
Der arme Jan Messutat als Einsatzleiter Schrader hatte in diesem schauspieler- und handlungsarmen Polizeiruf beklagenswert wenig zu tun. (Bild von www.daserste.de)

Bitteschön: Ich bin der erste, der begeistert ist, wenn ein Film ohne Effekte, ohne Sondereinsatzkommandos und Heerscharen von Komparsen auskommt. Allerdings kann mans auch ein bisschen übertreiben, und was das Autoren/Regisseurduo Fromm und Petzold hier veranstaltet, ist in der Erinnerung wenig mehr als zwei Kriminalbeamte, die zusammen im Auto sitzen und quatschen, sich irgendwann duzen, er verliebt sich in sie, sie rauchen eine Zigarette zusammen und dann will sie auch schon wieder zu ihrem Mann nach Hamburg zurück. Aus München! Nach Hamburg!!! Ich glaube, wenn man es so formuliert, zeigt sich schon die ganze Widersinnigkeit dieses Drehbuchs, nicht wahr? Aber mal ganz im Ernst, die bieder-altbackene Dramaturgie von KREISE ermöglichte zwar durchaus gute schauspielerische Leistungen und subtile menschlichen Dramen, v.a. zwischen den Ermittlern, aber sie verursachte doch auch lange Durststrecken, die ich nur mit einem Glas Weißwein überbrücken konnte.

Beim Weichklopfen, oder Weichklicken (mit dem Kuli). Wenn die absurd minimalistischen, aber umso zeit- und nervenraubenderen Notate des Kommissars "Methode"  oder "Witz" sein sollen, dann sind sie an mir leider abgeperlt. (Bild von www.daserste.de)
Beim Weichklopfen, oder Weichklicken (mit dem Kuli). Wenn die absurd minimalistischen, aber umso zeit- und nervenraubenderen Notate des Kommissars „Methode“ oder „Witz“ sein sollen, dann sind sie an mir leider abgeperlt. (Bild von www.daserste.de)

Handlung? Ja, die gabs auch. Die Besitzerin einer Möbelfirma wird erdrosselt im Wald gefunden. [Wie kommen die Kommissare eigentlich genau dorthin, gerade als die Leiche entdeckt wird?] Die Ermittler lernen einen zynisch-cholerischen Produktionsleiter kennen, dessen Geschichte nicht zu Ende erzählt wird; anschließend lernen sie den psychisch verkrüppelten Sohn der Toten kennen, dessen Geschichte so halb zu Ende erzählt wird; es folgt der Auftritt des getrennt vom Opfer lebenden Ehemanns, der wenig später verdächtigt und verhaftet wird, weil eine Zeugin ihn gesehen haben will, wie er seine Frau erwürgt hat. Es wird die dreckige Wäsche der Familie gewaschen, Mordmotive tauchen beim Ehemann und ein paar noch beim Sohn auf, und am Ende wars der Ehemann, der einen perfekten Mord begangen hat – aber trotzdem gesteht. Warum, bleibt das Geheimnis des Drehbuchautors. Der womöglich auf meinen Einwand erwidern würde, dass das ein psychologischer Vorgang war, den ich in meiner oberflächlichen Art nicht verstehen würde. Der pedantische Kommissar von Meuffels hat ihn mit seinem Kuligeklicke während der „mäandernden Verhöre“ (ich bin fast aus dem Fernsehsessel gekullert vor Begeisterung über diese atemberaubende Beschreibung) mürbe gemacht, und er ist im Grunde seines Herzens doch nur auf der Suche nach Liebe.

Jetzt wollen wir mal nicht nur meckern, die Figuren waren durchaus fein gezeichnet – die trockene Alkoholikerin Constanze Hermann und der arrogante Aristokrat von Meuffels, und irgendwie selbst der Kind gebliebene Modellbauer und Mörder Peter Brauer (Justus von Dohnány). Jedenfalls war trotz des manchmal echt mäandernden Dialoges (gerade, dass der Fluss nicht ganz im Kreise floss), keine tönende Stelle zu hören, aber, und das sei mit allem Nachdruck gesagt, daraus macht man noch keine Geschichte. Denn letztlich bleibt von diesem Polizeiruf die private Befindlichkeit dreier Menschen, der beiden Kommissare und des Täters zurück, aber keine Beziehung zur Außenwelt.

Anwendungsgebiet: Schlafstörungen

Einnahme: Schauen Sie sich ne halbe Stunde von KREISE in der Mediathek an, dann sparen Sie sich das Schäfchenzählen.

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