28.08. +++ Gebrauchsanleitung

imageIch freue mich, auch hier im Artwork-Blog auf die Startnext-Kampagne für mein neues Theaterprojekt GEBRAUCHSANLEITUNG FÜR ELTERN UND ANDERE PSYCHOS hinweisen zu dürfen. Startnext, das wissen wahrscheinlich viele von euch, ist eine Crowdfunding-Plattform, auf der hauptsächlich Kunst- und Kulturprojekte ihre Unterstützung durch eine möglichst große Gruppe von Menschen organisieren. In unserem Projekt geht es darum, möglichst lustvoll und unterhaltsam Fakten zum Thema „psychische Krankheiten“ zu vermitteln, und zwar für Menschen ab 14 Jahre. Im folgenden ein Blogartikel, den ich auch auf Startnext veröffentlicht habe:

So, liebe Leute, seit zwei Tagen ist unsere Startnext-Kampagne in der Finanzierungsphase und wir freuen uns, schon Unterstützer gefunden zu haben. Natürlich sind wir auch inhaltlich in der heißen Phase unseres Projekts, schon seit Februar sammeln wir Material, und täglich kommt neues dazu. Ich möchte euch in den nächsten Tagen und Wochen regelmäßig darüber auf dem Laufenden halten, woran wir arbeiten, damit ihr einen Einblick in unsere Arbeit erhaltet – die im Falle von GEBRAUCHSANLEITUNG FÜR ELTERN UND ANDERE PSYCHOS eine ziemlich interessante ist! Meinen ersten Blogbeitrag widme ich der oft gestellten Frage: „Wie seid ihr eigentlich auf das Thema psychische Krankheiten gekommen? Und vor allem „Kinder von psychisch kranken Eltern“?“

2010 entwickelten Eva Ellerkamp, Simon Reimold und ich ein erstes Theaterstück, in dem wir die Geschichte der Tochter einer psychisch kranken Mutter erzählten – „nutters“. Eva, in Erstausbildung Musiktherapeutin, war in dieser Arbeit selbst mit Angehörigen von psychisch Erkrankten in Berührung gekommen und brachte das großartige Kinderbuch SONNIGE TRAURIGTAGE von Schirin Homeier mit, in dem kindgerecht erklärt wird, warum Mama ab und zu so unerklärlich traurig ist (weil sie an einer Depression leidet) und was man dann tun kann. Schnell waren wir uns einig, dass wir uns mit diesem Thema befassen und ein Stück für Jugendliche entwickeln wollten, um über die besondere Situation dieser Kinder aufzuklären. Immerhin lebt eines von dreißig Kindern mit mindestens einem psychisch erkrankten Elternteil – keine kleine Gruppe. Wir stürzten uns also in die vorhandene Literatur, schauten uns Filme an und machten uns mit Romanen vertraut. Besonders hilfreich war der Kontakt zu Susanne Kilian von der Beratungsstelle FIPS am Bezirkskrankenhaus in Günzburg, die uns viel von Ihrer Arbeit mit Angehörigen psychisch Kranker berichtete und unser Projekt von der Konzeption bis zur Aufführung und darüber hinaus begleitete. Auch Gespräche mit Prof. Thomas Becker aus Günzburg und Betroffenen selbst waren sehr hilfreich, um eine faktenbasierte, aber fiktive Geschichte zu entwickeln.

Bild aus "nutters"
Bild aus „nutters“

Anastasia, so der Name unserer Protagonistin, trifft in „nutters“ im Musiktherapieraum eines Krankenhauses auf Gabor, der überraschenderweise gar nicht so unsympathisch auf sie wirkt. Eine Art von Freundschaft entwickelt sich zwischen den beiden, bis sie irgendwann über das große Familiengeheimnis, die Krankheit ihrer Mutter und wie Stasi (so ihr Spitzname) darunter leidet, reden, bzw. singen kann. Denn die Handlung war immer wieder durchsetzt von Songs, die das ganze Team entwickelt hatte. Freilich stellt sich am Ende heraus, dass Gabor gar nicht, wie gedacht, der Therapeut, sondern nur ein Zivi des Krankenhauses ist – ein Schock für Stasi (was den Untertitel „musikalische Schocktherapie“ für unser Stück rechtfertigte), aber ein heilsamer, denn nach dieser Ent-Täuschung holt sie sich Hilfe und ihre Situation verbessert sich nachhaltig.

Bild aus "nutters"
Bild aus „nutters“

Wir spielten unser Stück nach der Uraufführung im Ulmer Roxy 35 mal im ganzen süddeutschen Raum, an Schulen ebenso wie bei thematischen Veranstaltungen. Gerade die Musik im Stück funktionierte sehr gut, um das meist jugendliche Publikum bei Laune zu halten und zum Nachdenken über ein Thema zu bringen, dem die meisten zum ersten Mal begegneten. Freilich war es zuweilen schwierig, ihre Aufmerksamkeit auch in den Spielszenen, in denen die Handlung erzählt wird, zu fesseln. Als uns 2014 die Kulisse unseres Stückes abhanden kam, beschlossen wir, dies als Omen dafür zu nehmen, einen neuen künstlerischen Schritt zu gehen und das Thema neu und anders zu bearbeiten. Geboren wurde die Idee zu GEBRAUCHSANLEITUNG aus zwei Überlegungen: Einerseits wollten wir NOCH spannender werden, mit einer abwechslungsreichen Mischung von Theater, Musik, Lecture Performance und Quizshow, andererseits wollten wir noch mehr Themen in unser Stück mit hinein bringen. Genau daran arbeiten wir jetzt – und mit eurer Unterstützung wird es uns auch gelingen!

Soviel für heute und zur Vorgeschichte von GEBRAUCHSANLEITUNG.

Liebe Grüße,
Michael

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.