Gehacktes

„Gehacktes“ ist die undeklinierbare nordhessische Bezeichnung für Mett. Als Vegetarier finde ich diese Masse kulinarisch eher weniger attraktiv, aber die grammatische Unbeugsamkeit des Gehacktes (so heißt das nämlich) ringt mir Bewunderung ab. Dem Gehacktes (ja!) ist es egal, ob man auf es herabschaut, es weiß, was es kann, nämlich aus simplem Schweine- und/oder Rindfleisch (wenn beides, dann „Gehacktes halb und halb“) zur Gaumenfreude des Fleischfressers werden. Man muss das Gehacktes (oh ja, so heißt es) nur ein bisschen in der Pfanne braten oder im Ofen backen. Jetzt aber Schluss mit den Wortspielen, Fakt ist: Wenn man mal einen Fleischwolf hat, kann man aus allem Gehacktes machen, und genau das ist der Ansatz von SOMMERS WELTLITERATUR TO GO. Gebt mir ein Stück Literatur und einen Ort, an den ich treten kann, dann werden mein Playmobilensemble und ich die Welt aus den Angeln heben. Oder zumindest durch den Wolf drehen. Entstanden ist das Format aus der Einführungssoiree zu DANTONS TOD, die anno 2013 anlässlich der Inszenierung von Büchners Klassiker am Theater Ulm statt fand. Dort fühlte ich mich bemüßigt, die Handlung des Stückes ersatzweise darzustellen, weil man von der bühnenmäßigen Aufführung her nicht unbedingt darauf gekommen wäre, was der Autor ursprünglich eigentlich erzählen wollte. Da der Bedarf an konzisen und wissenschaftlich einwandfreien Kurzdarstellungen von literarischen Weltklassikern offenbar gegeben ist, befürchte ich, dass die Reihe noch ein bisschen weiter gehen wird. Und zur Info: Gegen Bezahlung machen wir das auch live :-). Vorschläge zur zukünftigen Berücksichtigung in dieser Reihe nehme ich selbstverständlich gern entgegen (schreibt mir!).

6 Antworten auf „Gehacktes“

  1. Lieber Herr Sommer,

    eine tolle Sache machen Sie da. Ich arbeite gerade an einer Seite zur Abiturvorbereitung für unsere hessischen Abiturienten im nächsten Jahr. Dabei sind mir tatsächlich zwei (!) Lücken in ihrer verdienstvollen Reihe aufgefallen:
    Schillers Jungfrau von Orleans und Brechts Johanna der Schlachthöfe.
    Ich bin schwer enttäuscht. Wie konnte das passieren?
    Ach ja: Die Franzosen würden sich sicher auch über Yasmina Reza: Le dieu du carnage und
    Guy de Maupassant: Boule de suif freuen. (Nur so nebenbei, wo Sie doch für die Spanier schon Federico García Lorca: La casa de Bernarda Alba aufgezeichnet haben.)
    Bei der nächsten Gelegenheit schlage ich sie für das Bundesverdienstkreuz vor!
    Weiterhin frohes Schaffen wünscht:
    Reiner Wadel

    1. Hallo Herr Wadel,
      natürlich sind DIE JUNGFRAU VON ORLEANS und DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE auf der Liste, und ich glaube ich kann versprechen, dass sie bis zum Abitur verfilmt werden – DER GOTT DES GEMETZELS kommt sicher auch noch dran. Den Maupassant kenn ich selber noch nicht. Mal sehen. Wann ist denn das Abitur in Hessen?
      Liebe Grüße,
      Michael Sommer

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