24.02. +++ L****

Fügt sich doch gut ein, oder? - Der Neue
Fügt sich doch gut ein, oder? – Der Neue

Wenn man mit dem Deutschen als Muttersprache aufgewachsen ist, tut man sich im Englischen manchmal schwer mit dem vermeintlich inflationären Gebrauch des L-Wortes. Dem Amerikaner als solchem kommt der Satz „I love you“ ja sehr viel schneller über die Lippen, als wir grummelige Deutsche selbst „Ich hab dich lieb“ sagen würden. Aber selbst wenn an dem kulturellen Snobismus etwas dran sein sollte, dass das deutsche Konzept der Liebe eben etwas viel tiefer Gehendes und daher nicht so schnell und obenhinaus verbalisierbares Gefühl wie „love“ ist – ich glaube, es tut der Seele besser, öfter etwas Gutes zu hören. Genauso wie Umarmungen im Alltag. Selbst wenn es nur eine nette Geste ist, sie bewirkt doch meistens etwas Positives. Also, mal ganz nebenbei: Ich fordere mehr freundliche Worte und Umarmungen im Alltag. Gerade auch im öffentlichen Raum. „24.02. +++ L****“ weiterlesen

24.02. +++ Empathie-Entropie

Eben nicht im Fernsehen, sondern auf einer Studiobühne werden die ausgewählten Stücke des OUDS New Writing Festival präsentiert (Bild von www.facebook.com/oxforduniversitydrama)
Eben nicht im Fernsehen, sondern auf einer Studiobühne werden die ausgewählten Stücke des OUDS New Writing Festival präsentiert (Bild von www.facebook.com/oxforduniversitydrama)

Ich durfte heute bei einer Fernsehproduktion am Set dabei sein, und dem Regisseur über die Schulter schauen. Was eine sehr spannende und faszinierende Erfahrung war, denn so eine tägliche Fernsehproduktion hat mit Theater so viel gemeinsam, wie ein Faustkeil mit einem Fertigungsroboter bei Daimler. Oder BMW. Verzeihung. Im Grunde die gleiche Funktion, nur viel komplexer. Ich habe selbst schon genügend unhöfliche Praktikanten gehabt, um mich nach Möglichkeit allen Beteiligten vorzustellen, dummerweise laufen da aber ziemlich viele Leute herum, und ich wollte natürlich keinesfalls den Betrieb aufhalten. Jedenfalls kommt irgendwann eine Schauspielerin auf mich zu, der ich mich noch nicht vorgestellt habe, und überrumpelt mich mit: „Wer sind Sie?“ – „Ich hospitiere heut bei Frank [dem Regisseur].“ – „Was machen Sie?“ – „Ich äh hospitiere, ich bin der…“ Aber da lief der Fertigungsroboter schon weiter und irgendwer erklärte ihr in einfachen, kurzen Worten, was hospitieren heißt, und sie murmelte noch „Wieder was gelernt.“ „24.02. +++ Empathie-Entropie“ weiterlesen

23.02. +++ Der Hammer

Die waren aber auch der Hammer: Ella Fitzgerald und Louis Armstrong (Bild von pixshark.com)
Die waren aber auch der Hammer: Ella Fitzgerald und Louis Armstrong (Bild von pixshark.com)

Manche Künstler können machen was sie wollen, man sitzt/steht/liegt einfach mit offenem Mund dabei und denkt sich: Wow. Louis Armstrong gehört für mich in diese Kategorie. Ich hab früher beispielsweise gedacht, der Herr Armstrong hätte gut Trompete gespielt. Mittlerweile habe ich da eine etwas differenziertere Meinung, die ungefähr so geht: Satchmo war ein genialer Musiker, zumindest ein genialer Jazzer, der die Musik im ganzen Körper gespielt hat, aber entweder hat er sich immer alter Gießkannen bedient, um den einem Blechblasinstrument ähnlichen Klang zu erzeugen, oder er hat das, was aus der Trompete rauskam, absichtlich so verknödelt, dass er wie eine Wellblechhütte klang. ABER: Es trotzdem noch geil. So wie genialer Trash. „23.02. +++ Der Hammer“ weiterlesen

22.02. +++ In der Stille

Armin Rohde und Joachim Król in DAS HAUS AM ENDE DER STRASSE (Bild von www.daserste.de)
Armin Rohde und Joachim Król in DAS HAUS AM ENDE DER STRASSE (Bild von www.daserste.de)

Lakonie ist nicht alles. Oder anders gesagt: Knappheit allein macht noch keine Kunst. Aber wenn mans richtig macht… Ich hab es an dieser Stelle schon häufiger festgestellt, dass Kunst in der Stille statt findet. Das gilt für Musik oder für den Raum zwischen den Worten. Es gilt aber auch für Schauspieler. „22.02. +++ In der Stille“ weiterlesen

21.02. +++ Rock’n’Roll

Natürlich. Ein Gesamtkunstwerk. Hafis, LIEBESGEDICHTE. Frankfurt am Main: Insel Verlag, 1980.
Natürlich. Ein Gesamtkunstwerk. Hafis, LIEBESGEDICHTE. Frankfurt am Main: Insel Verlag, 1980.

Kennen Sie sich mit persischer Lyrik aus? Oder islamischer Lyrik generell? Ich kann in diesem Bereich jede Bildungslücke verneinen, denn wo es keinerlei Substanz gibt, kanns auch keine Lücken geben. Ich bin heute in der Buchhandlung meines Vertrauens über ein Bändchen der Inselbücherei mit den Liebesgedichten von Hafis gestolpert, einem der beiden wichtigsten mittelalterlichen Lyriker Persiens, wie mein Freund Wikipedia mir versichert. „21.02. +++ Rock’n’Roll“ weiterlesen

20.02. +++ Ticitaca

Sehn Sie: Ich hab Unrecht. Es geht doch hart zur Sache. (Bild Jochen Klenk, von www.theater.ulm.de)
Sehn Sie: Ich hab Unrecht. Es geht doch hart zur Sache. (Bild Jochen Klenk, von www.theater.ulm.de)

Warnhinweis/Offenlegung: Ich schreibe im Folgenden über ehemalige Kollegen, deshalb können Sie davon ausgehen, dass kein wahres Wort dabei ist. Die Eintrittskarte für den Theaterabend hat mir der Regisseur besorgt, mit dem ich hoffentlich in Zukunft zusammen arbeiten werde, weshalb ich eh nix Kritisches schreibe (nicht, dass es da überhaupt was zu kritisieren gäbe). Abschließend bin ich gesundheitlich angeschlagen und sehe heute eh alles durch eine rosarote Brille. „20.02. +++ Ticitaca“ weiterlesen

19.02. +++ Luxustiere

Münchner im Herzen: Martin Schubert, Florian Schröder und Marc Hörger (Bild von www.facebook.com/opusleopard)
Münchner im Herzen: Martin Schubert, Florian Schröder und Marc Hörger (Bild von www.facebook.com/opusleopard)

Ich hätte wahrscheinlich auf Facebook dran vorbei geklickt, oder auf Vimeo oder Youtube, aber Empfehlungen verhelfen uns ja oft zu kulturellen Glücksmomenten. Mein heutiges Kunstwerk verdanke ich einem der Mitwirkenden bei Opus Leopard, einer geographisch Ulmer, geistig-musikalisch Münchner Musikensemble. Es handelt sich um das neue Album der Gruppe, das den schönen Titel FUTTER FÜR DIE GÖTTER trägt. Glücklicherweise bin ich nicht verpflichtet, den Stil zu analysieren, denn dazu kenn ich mich zuwenig aus. Ist es Elektropop? „19.02. +++ Luxustiere“ weiterlesen

18.02. +++ Ein Fünkchen Wahrheit

Ließ sich gern breitbeinig malen: Heinrich VIII. von England (Bild aus der Werkstatt Hans Holbeins des Jüngeren, von www.en.wikipedia.org)
Ließ sich gern breitbeinig malen: Heinrich VIII. von England (Bild aus der Werkstatt Hans Holbeins des Jüngeren, von www.en.wikipedia.org)

Wahrheit im Theater, oder in der Kunst allgemein, ist immer sonderbar, und manchmal auch komisch. Ich meine natürlich den Anspruch der Wahrheit mit großem W. Entweder wir akzeptieren die Kunst als Teil des Lebens, und dann ist sie immer wahr und „realistisch“ (noch so ein böses Wort), oder wir rahmen sie ein, stellen sie hoch, schließen sie weg, hinter den Schleier der Andersartigkeit, der „Künstlichkeit“, um sie zu entschärfen, und wenn dann noch von der „tieferen Wahrheit“ die Rede ist, wirds für den unbedarften Beobachter richtig unterhaltsam. Mein heutiges Kunstwerk trägt den gefährlichen Untertitel „All is True“ – „Alles ist wahr“, und hört ansonsten auf den Namen HENRY VIII. „18.02. +++ Ein Fünkchen Wahrheit“ weiterlesen

17.01. +++ Aasfresser

Ein einfacher Mann: Gavin Bryars (Foto von www.gavinbryars.com)
Ein einfacher Mann: Gavin Bryars (Foto von www.gavinbryars.com)

Einfachheit ist ein wichtiges Kriterium für Schönheit. Jeder, der schon mal versucht hat, ein Gedicht zu schreiben, weiß, wie viel schwerer es ist, etwas in wenigen und womöglich noch verständlichen Worten auszudrücken, als in einem Textkonvolut. Das muss auch gekonnt sein, das konvoltieren, oder wie auch immer der Vorgang heißt, und im Zeitalter der Komplexität entspricht eine Materialschlacht unserer Alltagserfahrung vielleicht eher, als ein Haiku. „17.01. +++ Aasfresser“ weiterlesen

16.02. +++ Sprachlos

Er hat das letzte Wort: Friedrich Hölderlin (Bild von www.de.wikipedia.org)
Er hat das letzte Wort: Friedrich Hölderlin (Bild von www.de.wikipedia.org)

Es geschehen sonderbare Dinge, wenn die Sprache uns loslöst – loslässt, wollte ich sagen. Sprache: Der Heilsweg der Lutheraner. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich Worte immer als mächtig empfunden habe, dass mich die Grenzen ihrer Möglichkeit so interessieren. Wo verzweifeln die Wortmaler an ihrem Werkzeug? Wo ist der letzte Laut geschöpft? Spuren der Sprachskepsis finden sich, solange Menschen denken und schreiben, aber extrem wird der Vertrauensverlust in die Sprache mit der Moderne. Natürlich: Wenn es keine Magie mehr gibt, wenn der Himmel leer ist, wie sollte dann das Wunder der Kommunikation überhaupt möglich sein? Heute habe ich ein Stück Literatur noch einmal gelesen, dass – vor der Moderne geschrieben – diese Crux so stechend ausdrückt, dass es schmerzt. „16.02. +++ Sprachlos“ weiterlesen