28.02. +++ Mongol-Joss

Er hat lieber Erfahrungen erster Hand zu Papier gebracht, statt zu lesen: Fritz Mühlenweg (Bild von www.mühlenwegmuseum.de)
Er hat lieber Erfahrungen erster Hand zu Papier gebracht, statt zu lesen: Fritz Mühlenweg (Bild von www.mühlenwegmuseum.de)

Dieses Geständnis wird Ihnen vielleicht etwas sonderbar vorkommen: Ich muss Bücher zu Ende lesen. Ich habe offenbar eine tief sitzende Angst, etwas verpassen zu können (da ist mit Sicherheit etwas in meiner Kindheit schief gelaufen), und wenn es auch tugendhaft ist, Dinge zu Ende zu bringen, die man mal angefangen hat – wenn man sich beruflich mit Literatur beschäftigt kann das zum Problem werden. Es ist sogar so, dass ich mich scheue, Bücher zu beginnen, wenn ich befürchte, sie nicht ganz lesen zu können. Sei es, dass ich befürchte, sie nicht zu mögen, sei es, dass ich nicht genügend Zeit habe. Dementsprechend wohne ich schon seit Jahren mit einigen Büchern zusammen, die noch frisch wie Morgentau auf dem Regal stehen; wenn wir uns sehen, grüßen wir uns freundlich, beäugen uns aber misstrauisch aus den Augenwinkeln und wahrscheinlich entgeht uns so eine wunderbare Freundschaft. „28.02. +++ Mongol-Joss“ weiterlesen

27.01. +++ Bachelorette

Frauen sind halt Rosen, gell? Sie wollen gepflückt werden. Die Bachelorette 2014 - Anna (Bild von www.express.de)
Frauen sind halt Rosen, gell? Sie wollen gepflückt werden. Die Bachelorette 2014 – Anna (Bild von www.express.de)

Als Englischlehrer hat mans auch nicht leicht. Wenn ich mir vorstelle, THE TWO NOBLE KINSMEN von Shakespeare/Fletcher einer Schar unbedarfter Wissensempfänger zu vermitteln, stellen sich gleich zu Anfang so unangenehme Fragen wie: Ist das jetzt eine Komödie oder Romanze oder was? Immerhin stirbt einer der beiden Titelhelden am Schluss (wenn auch nicht auf Grund einer tragischen Verstrickung), und das gehört sich ja wohl nicht, bei harmlosen Romanzen, oder? Wahrscheinlich hat Eng. Lit. eine eigene Kategorie für diese Art von Stücken erfunden, eine, von der ich noch nie gehört hab, die aber voll wichtig ist, denn wenn man keine Kategorie hat, dann kann man schließlich nicht interpretieren. „27.01. +++ Bachelorette“ weiterlesen

24.02. +++ L****

Fügt sich doch gut ein, oder? - Der Neue
Fügt sich doch gut ein, oder? – Der Neue

Wenn man mit dem Deutschen als Muttersprache aufgewachsen ist, tut man sich im Englischen manchmal schwer mit dem vermeintlich inflationären Gebrauch des L-Wortes. Dem Amerikaner als solchem kommt der Satz „I love you“ ja sehr viel schneller über die Lippen, als wir grummelige Deutsche selbst „Ich hab dich lieb“ sagen würden. Aber selbst wenn an dem kulturellen Snobismus etwas dran sein sollte, dass das deutsche Konzept der Liebe eben etwas viel tiefer Gehendes und daher nicht so schnell und obenhinaus verbalisierbares Gefühl wie „love“ ist – ich glaube, es tut der Seele besser, öfter etwas Gutes zu hören. Genauso wie Umarmungen im Alltag. Selbst wenn es nur eine nette Geste ist, sie bewirkt doch meistens etwas Positives. Also, mal ganz nebenbei: Ich fordere mehr freundliche Worte und Umarmungen im Alltag. Gerade auch im öffentlichen Raum. „24.02. +++ L****“ weiterlesen

24.02. +++ Empathie-Entropie

Eben nicht im Fernsehen, sondern auf einer Studiobühne werden die ausgewählten Stücke des OUDS New Writing Festival präsentiert (Bild von www.facebook.com/oxforduniversitydrama)
Eben nicht im Fernsehen, sondern auf einer Studiobühne werden die ausgewählten Stücke des OUDS New Writing Festival präsentiert (Bild von www.facebook.com/oxforduniversitydrama)

Ich durfte heute bei einer Fernsehproduktion am Set dabei sein, und dem Regisseur über die Schulter schauen. Was eine sehr spannende und faszinierende Erfahrung war, denn so eine tägliche Fernsehproduktion hat mit Theater so viel gemeinsam, wie ein Faustkeil mit einem Fertigungsroboter bei Daimler. Oder BMW. Verzeihung. Im Grunde die gleiche Funktion, nur viel komplexer. Ich habe selbst schon genügend unhöfliche Praktikanten gehabt, um mich nach Möglichkeit allen Beteiligten vorzustellen, dummerweise laufen da aber ziemlich viele Leute herum, und ich wollte natürlich keinesfalls den Betrieb aufhalten. Jedenfalls kommt irgendwann eine Schauspielerin auf mich zu, der ich mich noch nicht vorgestellt habe, und überrumpelt mich mit: „Wer sind Sie?“ – „Ich hospitiere heut bei Frank [dem Regisseur].“ – „Was machen Sie?“ – „Ich äh hospitiere, ich bin der…“ Aber da lief der Fertigungsroboter schon weiter und irgendwer erklärte ihr in einfachen, kurzen Worten, was hospitieren heißt, und sie murmelte noch „Wieder was gelernt.“ „24.02. +++ Empathie-Entropie“ weiterlesen

23.02. +++ Der Hammer

Die waren aber auch der Hammer: Ella Fitzgerald und Louis Armstrong (Bild von pixshark.com)
Die waren aber auch der Hammer: Ella Fitzgerald und Louis Armstrong (Bild von pixshark.com)

Manche Künstler können machen was sie wollen, man sitzt/steht/liegt einfach mit offenem Mund dabei und denkt sich: Wow. Louis Armstrong gehört für mich in diese Kategorie. Ich hab früher beispielsweise gedacht, der Herr Armstrong hätte gut Trompete gespielt. Mittlerweile habe ich da eine etwas differenziertere Meinung, die ungefähr so geht: Satchmo war ein genialer Musiker, zumindest ein genialer Jazzer, der die Musik im ganzen Körper gespielt hat, aber entweder hat er sich immer alter Gießkannen bedient, um den einem Blechblasinstrument ähnlichen Klang zu erzeugen, oder er hat das, was aus der Trompete rauskam, absichtlich so verknödelt, dass er wie eine Wellblechhütte klang. ABER: Es trotzdem noch geil. So wie genialer Trash. „23.02. +++ Der Hammer“ weiterlesen

22.02. +++ In der Stille

Armin Rohde und Joachim Król in DAS HAUS AM ENDE DER STRASSE (Bild von www.daserste.de)
Armin Rohde und Joachim Król in DAS HAUS AM ENDE DER STRASSE (Bild von www.daserste.de)

Lakonie ist nicht alles. Oder anders gesagt: Knappheit allein macht noch keine Kunst. Aber wenn mans richtig macht… Ich hab es an dieser Stelle schon häufiger festgestellt, dass Kunst in der Stille statt findet. Das gilt für Musik oder für den Raum zwischen den Worten. Es gilt aber auch für Schauspieler. „22.02. +++ In der Stille“ weiterlesen

21.02. +++ Rock’n’Roll

Natürlich. Ein Gesamtkunstwerk. Hafis, LIEBESGEDICHTE. Frankfurt am Main: Insel Verlag, 1980.
Natürlich. Ein Gesamtkunstwerk. Hafis, LIEBESGEDICHTE. Frankfurt am Main: Insel Verlag, 1980.

Kennen Sie sich mit persischer Lyrik aus? Oder islamischer Lyrik generell? Ich kann in diesem Bereich jede Bildungslücke verneinen, denn wo es keinerlei Substanz gibt, kanns auch keine Lücken geben. Ich bin heute in der Buchhandlung meines Vertrauens über ein Bändchen der Inselbücherei mit den Liebesgedichten von Hafis gestolpert, einem der beiden wichtigsten mittelalterlichen Lyriker Persiens, wie mein Freund Wikipedia mir versichert. „21.02. +++ Rock’n’Roll“ weiterlesen

20.02. +++ Ticitaca

Sehn Sie: Ich hab Unrecht. Es geht doch hart zur Sache. (Bild Jochen Klenk, von www.theater.ulm.de)
Sehn Sie: Ich hab Unrecht. Es geht doch hart zur Sache. (Bild Jochen Klenk, von www.theater.ulm.de)

Warnhinweis/Offenlegung: Ich schreibe im Folgenden über ehemalige Kollegen, deshalb können Sie davon ausgehen, dass kein wahres Wort dabei ist. Die Eintrittskarte für den Theaterabend hat mir der Regisseur besorgt, mit dem ich hoffentlich in Zukunft zusammen arbeiten werde, weshalb ich eh nix Kritisches schreibe (nicht, dass es da überhaupt was zu kritisieren gäbe). Abschließend bin ich gesundheitlich angeschlagen und sehe heute eh alles durch eine rosarote Brille. „20.02. +++ Ticitaca“ weiterlesen

19.02. +++ Luxustiere

Münchner im Herzen: Martin Schubert, Florian Schröder und Marc Hörger (Bild von www.facebook.com/opusleopard)
Münchner im Herzen: Martin Schubert, Florian Schröder und Marc Hörger (Bild von www.facebook.com/opusleopard)

Ich hätte wahrscheinlich auf Facebook dran vorbei geklickt, oder auf Vimeo oder Youtube, aber Empfehlungen verhelfen uns ja oft zu kulturellen Glücksmomenten. Mein heutiges Kunstwerk verdanke ich einem der Mitwirkenden bei Opus Leopard, einer geographisch Ulmer, geistig-musikalisch Münchner Musikensemble. Es handelt sich um das neue Album der Gruppe, das den schönen Titel FUTTER FÜR DIE GÖTTER trägt. Glücklicherweise bin ich nicht verpflichtet, den Stil zu analysieren, denn dazu kenn ich mich zuwenig aus. Ist es Elektropop? „19.02. +++ Luxustiere“ weiterlesen