10.02. +++ Fremde Tiere

Zwei Titelhelden: Der Emigrant und sein erster Freund
Zwei Titelhelden: Der Emigrant und sein erster Freund
Wer sich schon einmal über einen längeren Zeitraum im Ausland aufgehalten hat, kennt das Gefühl: Tiefe Verlorenheit, wo Menschen, Sprache, Essen, ja die einfachsten Dinge des täglichen Lebens völlig anders sind als zu Hause. Was bei einer Ferienreise ein leichter und anregender Nervenkitzel ist, nämlich das Bekannte hinter sich zu lassen, und mit der Unsicherheit des Anderswo zu flirten, büßt jeden Reiz ein, wenn es kein zurück gibt. Wenn die Brücken abgebrochen sind und es kein Netz und keinen doppelten Boden gibt. Angst wird zum ständigen Begleiter; Angst, das Falsche zu tun, in Not zu geraten, bedroht zu werden. „10.02. +++ Fremde Tiere“ weiterlesen

09.02. +++ Wie Bier klingt

Viel cooler als SHADES OF GREY: DIFFERENT SHADES OF BLUE von Joe Bonamassa (Foto von www.en.wikipedia.org)
Viel cooler als SHADES OF GREY: DIFFERENT SHADES OF BLUE von Joe Bonamassa (Foto von www.en.wikipedia.org)

Man kann sich seine Drogen nicht aussuchen. Ich glaube, es ist wissenschaftlich bewiesen, und wenn nicht, sei es zumindest emphatisch behauptet: Die Affinität zu bestimmten Suchtstoffen ist genetisch. Ich zum Beispiel wäre niemals Vegetarier geworden, wenn ich das gleiche Verlangen nach Fleisch verspüren würde, das ich nach Keksen habe, oder Zucker ganz allgemein. Nikotin ist mein Verderben nicht; Alkohol ist ein Mittelding; ich kann es ohne weiteres ohne aushalten. Manchmal allerdings, manchmal trinke ich ganz gern ein Bier, und ich habe heute festgestellt, dass sich das Verhältnis zwischen Joe Bonamassa und mir in der Zukunft wohl bierähnlich entwickeln wird. „09.02. +++ Wie Bier klingt“ weiterlesen

08.02. +++ Hautnah

Diana Damrau (Lucia) und Pavol Breslik (Edgardo) in LUCIA DI LAMMERMOOR (Foto von www.staatsoper.de)
Stillleben mit impulsiver Dame: Diana Damrau (Lucia) und Pavol Breslik (Edgardo) in LUCIA DI LAMMERMOOR (Foto von www.staatsoper.de)
Aristokraten habens auch nicht leicht. Zum Beispiel der nette Herr Ashton, der nun wirklich Sorgen genug hat, einen Todfeind, ein großes Haus, Geldprobleme, und dann auch noch eine unverheiratete Schwester, die partout nicht macht was er will. Lucia, so der Name des Satansbratens, hat sich ausgerechnet und bestimmt absichtlich in eben diesen Todfeind, Edgardo, verliebt und er auch in sie und sie wollen heiraten. Weil das Enrico, so heißt ihr Bruder mit Vornamen, verhindern will, jubelt er ihr einen gefälschten Brief von Edgardo unter, um dessen Untreue zu beweisen und sie zur Heirat mit Enricos Verbündetem Lord Bucklaw zu bewegen. Was dann auch passiert; sie unterschreibt den Heiratsvertrag und just in diesem Moment stürzt ihr ehemaliger Zukünftiger Edgardo herein und – „08.02. +++ Hautnah“ weiterlesen

07.02. +++ Weltbilder

Kim Catrall als vulkanische Extremistin sollte eigentlich jeden Zweifel am Kunstcharakter von THE UNDISCOVERED COUNTRY zerstreuen (Foto von https://neatnik2009.files.wordpress.com)
Kim Catrall als vulkanische Extremistin sollte eigentlich jeden Zweifel am Kunstcharakter von THE UNDISCOVERED COUNTRY zerstreuen (Foto von https://neatnik2009.files.wordpress.com)

Das ist ein bisschen heikel, soviel will ich gleich voraus schicken. Bei Werken wie 2001 – A SPACE ODYSSEY haben wir wahrscheinlich kein Problem, uns darauf zu einigen, dass es Kunst ist. Aber ein Star Trek Film? Ich habe heute den sechsten Kinofilm der Reihe, THE UNDISCOVERED COUNTRY, wieder einmal angeschaut, es wird etwa das sechste Mal gewesen sein, denn ich mag viele dieser Filme um Kirk, Spock, Janeway, Sisko und wie sie alle heißen. „07.02. +++ Weltbilder“ weiterlesen

06.02. +++ Lungenentzündung in Kalifornien

George Gardner Symons, WINTER LANDSCAPE (1920, Öl auf Leinwand, 55x66 Zoll; Foto aus exhibbit)
George Gardner Symons, WINTER LANDSCAPE (1920, Öl auf Leinwand, 55×66 Zoll; Foto aus exhibbit)
Mein Freund Wikipedia schreibt (auf englisch) über den amerikanischen Maler George Gardner Symons (1861-1930), dass er als Impressionist gern im Freien arbeitete. Außerdem wird berichtet, er sei auf Winterlandschaften spezialisiert gewesen (die kann er dann wohl nicht in Kalifornien gemalt haben) und schließlich, dass er leider viel zu früh an einer Lungenentzündung verstarb. Es zeigt sich einmal mehr, dass Kunst, vor allem im Freien, gefährlich, wenn nicht gar tödlich sein kann. Ich habe mir heute Nachmittag eines seiner Werke (WINTER LANDSCAPE, 1920) in einer hübschen Galerie in Palm Desert, Kalifornien, angesehen, allerdings das Haus zu diesem Zweck nicht verlassen. Man kann ja nie wissen.

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05.02. +++ Rettet das Abendland

Schmierereien in Vorra, Bayern (Foto: www.br.de)
Schmierereien in Vorra, Bayern (Foto: www.br.de)

Die Frau eines kleinen Handwerkers wird auf offener Straße sexuell belästigt. Von einem Ausländer. Er nimmt sie am Arm und fordert sie auf, mitzukommen. Sie wehrt sich, aber er entgegnet nur: „Komm mit, oder ich zwinge dich dazu.“ Ihr Mann tritt auf, und wir erwarten, dass sich die Szene jetzt dreht, aber der ist gerade beschäftigt: Ein anderer Ausländer, ein Kumpel des ersten, hat ihn bestohlen – um zwei Tauben, die er zum Abendessen gekauft hatte. Der Dieb leugnet die Tat nicht, sondern droht mit diplomatischem Ärger, falls der Handwerker was will. Und diplomatischer Ärger, das wissen alle Beteiligten, ist für den Mittelstand nicht gut.

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04.02. +++ Einheitsgrau

August Zirner als NATHAN DER WEISE (Foto: www.fjs-foto.de)
August Zirner als NATHAN DER WEISE (Foto: www.fjs-foto.de)
Schlechte Theaterkritiken, Verrisse, sind meistens auch schlecht geschrieben. Gute Theaterkritiken sind auch oft schlecht geschrieben, aber das stört dann die Wenigsten. Was mich persönlich an schlecht geschriebenen Theaterkritiken nervt, ist, dass der Verfasser sich zum Korrektor aufschwingt und den dummen Theatermachern im Namen des Autors oder anderer Instanzen (nicht zuletzt seiner eigenen Einsichten ins Werk oder die Regiekunst im allgemeinen) die Fehler in der Inszenierung rot anstreicht. Natürlich kommt jeder Zuschauer, sogar Kritiker, mit Erwartungen ins Theater, und sei es auch nur die, dass es möglichst schnell vorbei ist. Aber wie bei jedem Kommunikationsprozess wärs schön, zumal wenn man sich zu einer Bewertung anschickt, den anderen, bzw. hier die Kunst, erstmal an seinen/ihren eigenen Maßstäben zu messen. Was bedeutet, dass man sich an die mühevolle Aufgabe machen muss, herauszufinden, was dem Künstler wohl wichtig war.

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03.02. +++ Trotzdem

John Keats, 1795-1821, Portrait von William Hilton (Foto von www.de.wikipedia.org)
John Keats, 1795-1821, Portrait von William Hilton (Foto von www.de.wikipedia.org)

Mein heutiges Kunstwerk ist vergleichsweise klein, was den Vorteil hat, dass ich es diesem Blogbeitrag in Gänze beifügen kann. Es handelt sich um ein Sonett von John Keats, einem meiner absoluten Lieblingsdichter, WHEN I HAVE FEARS THAT I MAY CEASE TO BE. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie autobiografisch dieses Gedicht ist: Da spricht ein Schriftsteller, der sich fragt, ob er jemals große Kunst machen wird, oder vorher sterben.

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02.02. +++ Fandango Madness

Ein abgefahrener Raver: Luigi Boccherini (Foto von www.en.wikipedia.org)
Ein abgefahrener Raver: Luigi Boccherini (Foto von www.en.wikipedia.org)

Irgendwann als Teenager bin ich mal auf einem dritten Programm bei dem englischen Filmklassiker LADYKILLERS hängen geblieben und war fortan ein totaler Fan von Alec Guiness. Und von Luigi Boccherini, von dem ich vorher noch nie was gehört hatte, dessen Streichquintett in E-Dur diese Krimikomödie aber so penetrant durchzieht, dass ich mir sogar die CD kaufte. Was damals noch mit einer Bestellung im CD-Laden verbunden war. Ja, Kinder, man musste das Haus verlassen, durch die Stadt fahren und mit einem Menschen reden, der in einem Buch nachschaute, ob es da etwas zu bestellen gab. Und das alles ohne One-Click-Option. „02.02. +++ Fandango Madness“ weiterlesen