11.03. +++ Junk Food

Smith & Smith: Papa erklärt Sohn, wie man trotz Angst atmet (Bild von www.dailymail.co.uk)
Smith & Smith: Papa erklärt Sohn, wie man trotz Angst atmet (Bild von www.dailymail.co.uk)

Genauso, wie ich trotz Vegetarianismus. Vegetariats. Vegismus. Ich bin mir nie sicher, wie das Substantiv von „vegetarisch“ heißen sollte. Ich vange besser noch mal von forn an. Obwohl ich mich vegetarisch und relativ gesund ernähre, besuche ich hin und wieder auch mal die Herberge Zum Goldenen M oder eines seiner Konkurrenzunternehmen. Denn auch eine industriell designte Fett-Kohlenhydrat-Melange hat ihre Zeit, ebenso wie Säen, Ärnten, und jedes andere Ding unter der Sonne, außer dem Extremismus. „11.03. +++ Junk Food“ weiterlesen

10.03. +++ Ich hätte gern eine Ente

Unglückliche Flugversuche: Super Illustrationen von Atak in Jim Dodge, FUP. München, Zürich: Piper, 2002.
Unglückliche Flugversuche: Super Illustrationen von Atak in Jim Dodge, FUP. München, Zürich: Piper, 2002.

Mei, jetzt wollt ich mich reflexartig dafür verteidigen, dass ich schon wieder meine Zeit damit verbracht habe, ein Kinderbuch zu lesen, aber wenn ich so drüber nachdenke war es vielleicht gar keins. Urteilen Sie selbst: Nachdem im ersten Kapitel der tragische Tod einer jungen Mutter durch Ausrutschen auf einem nassen Steg, hartes Kopfaufschlagen und anschließendes Ertrinken geschildert wird, geht es in den anschließenden Kapiteln erst einmal um das wilde Leben ihres Vaters, der sich jahrzehntelang durch den amerikanischen Westen säuft, hurt und pokert, bis er schließlich mit einem Whisky-Rezept, das ewiges Leben verspricht, auf seiner Farm in Kalifornien hängen bleibt. „10.03. +++ Ich hätte gern eine Ente“ weiterlesen

09.03. +++ Kampfschlümpfe

Nein, sie sind zu (fast) keinem nett: Die Pictsies aka Nac Mac Feegle (Bild von www.fm-base.co.uk)
Nein, sie sind zu (fast) keinem nett: Die Pictsies aka Nac Mac Feegle (Bild von www.fm-base.co.uk)

Ich könnte mir vorstellen, dass es Menschen gibt, die Terry Pratchett mangelnde Ernsthaftigkeit vorwerfen. Schließlich ist kein Berufsstand, kein Medium, keine Religion, GAR NICHTS, vor seiner spitzen Feder sicher. Irgendwann sickert alles in die Scheibenwelt ein, und ein gutes Haar bleibt selten daran, wenn er die Absurdität menschlicher Eitelkeiten unter die Lupe nimmt. „09.03. +++ Kampfschlümpfe“ weiterlesen

08.03. +++ Schinakel

Nein, die Grenzen des guten Geschmacks werden nicht überschritten. Adele Neuhauser als Bibi Fellner und Harald Krassnitzer als Moritz Eisner ermitteln gaaanz oadentlich (Bild von www.daserste.de)
Nein, die Grenzen des guten Geschmacks werden nicht überschritten. Adele Neuhauser als Bibi Fellner und Harald Krassnitzer als Moritz Eisner ermitteln gaaanz oadentlich (Bild von www.daserste.de)

Bitte, ich glaube ganz entschieden nicht an nationale Mentalitäten, schon gar nicht am Weltfrauentag. Aber es gibt ja Leute, die behaupten, der Österreicher als solcher sei ein bisschen langsamer als der benachbarte Piefke. Selbst wenn dies im (hochdeutschen) Volksmund oder sogar in Natura so sein sollte, gibt es keinen Grund dafür, dass es in der darstellenden Kunst, zumal im Fernsehen, zumal im Krimigenre, zur Abbildung kommen sollte, denn wie jeder weiß, gehorcht die Produktion, zumal der Schnitt, zumal das Timing, von Flagschiffproduktionen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, zumal des  Tatorts, Qualitätskriterien, die sich mit Hollywood messen können. Sonst wären sie ja nicht so erfolgreich. Oder subventioniert. „08.03. +++ Schinakel“ weiterlesen

07.03. +++ Nunst

Mehrheitsfähig: Der junge Herr Ezra, ein Mann aus dem Volke (Bild von www.tesco.com)
Mehrheitsfähig: Der junge Herr Ezra, ein Mann aus dem Volke (Bild von www.tesco.com)

Ich weiß, es ist albern, aber ich kann nicht glauben, dass Leute mit einer Stimme wie George Ezra sie hat nur was, 22 (!?) Jahre alt sind. Weil, wer so klingt, muss auf jeden Fall schon eine Ehe, diverse Beschäftigungsverhältnisse, den langjährigen Missbrauch unterschiedlichster Substanzen etc. etc. hinter sich haben. Was völliger Blödsinn ist. War bei Joe Cocker (Gott hab ihn selig) ja auch nicht so. Also prinzipiell. Gut, schon, aber Sie wissen, was ich meine. Jedenfalls ist die Stimme das eine, was an seinen Songs im allgemeinen und dem Album WANTED ON VOYAGE, meinem heutigen Kunstwerk, insbesondere, bemerkenswert ist. „07.03. +++ Nunst“ weiterlesen

06.03. +++ Mixed Media

Für manche ist es nur eine Küchenhilfe, für mich ist es der Zernichter einer Weltordnung: Das gemeine Handrührgerät (Bild von http://kleinanzeigen.ebay.de)
Für manche ist es nur eine Küchenhilfe, für mich ist es der Zernichter einer Weltordnung: Das gemeine Handrührgerät (Bild von http://kleinanzeigen.ebay.de)

Dem April werden traditionell viele Vorwürfe gemacht, er sei wechselhaft, man wisse nicht woran man bei ihm sei, ob es jetzt noch Spätwinter oder schon Frühling oder was und außerdem sei Hitler in ihm geboren. All das ist wahr, aber andererseits lobt Chaucer den Monat am Anfang seiner CANTERBURY TALES trotzdem sehr („Wenn der April erst mal da ist, mit seinen süßen Schauern… undsoweiter… dann gehn die Leute gern auf Pilgerreise.“). Damals gabs noch keinen Urlaub, dafür alle Naslang den Gedenktag eines Heiligen und eben Pilgerreisen, statt Ferien. „06.03. +++ Mixed Media“ weiterlesen

05.03. +++ PR-Gag

Wenn man mal eine Ritterrüstung hat, sehen alle aus wie Bösewichter (Bild von www.pixshark.com)
Wenn man mal eine Krone hat, sehen alle andern aus wie Usurpatoren. Kenneth Branagh in seiner Paraderolle als mitreißend-simpler König (Bild von www.pixshark.com)

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass Shakespeares HENRY V. – zumindest in England – eines seiner populärsten Dramen ist. Selbst, wenn man sich das Historienspiel mit der schmallippigsten Political Correctness vornimmt: Es ist mitreißend, begeisternd und leider sogar tief gehend. Was heißt leider, der Tiefgang ist ja seine gute Seite; der hundertprozentige englische Nationalismus die Kehrseite. „05.03. +++ PR-Gag“ weiterlesen

04.03. +++ Kinderspiel

Ein Flirt mit der Pädophilie: Das Vater-Tochter-Ehe-Verhältnis zwischen Nora (Renate Steinle) und Thorvald (Gunther Nickles) (Bild www.theater.ulm.de)
Ein Flirt mit der Pädophilie: Das Vater-Tochter-Ehe-Verhältnis zwischen Nora (Renate Steinle) und Torvald (Gunther Nickles) (Bild www.theater.ulm.de)

Man hats nicht leicht, mit Stoffen aus dem 19. Jahrhundert, in denen die enge, patriarchalische Gesellschaftsordnung jener Zeit thematisiert wird. Wie soll man so etwas heute inszenieren? Für die Geschichte ist es nötig, dass Nora nicht geschäftsfähig ist und so gezwungen war, eine Unterschrift zu fälschen. Das ist natürlich nur die legale Spitze des Eisbergs; entscheidender ist, dass sie von ihrem Mann wie ein unmündiges Kind behandelt wird und diese Rolle auch annimmt. Ein Frauenbild, dass im Laufe des 20. Jahrhunderts mühevoll überwunden wurde – zumindest im größeren Teil der deutschen Gesellschaft. Was nicht heißt, dass es keine Diskriminierung mehr gäbe (vgl. die aktuelle Debatte um den Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern), aber das gesellschaftliche Leitbild hat sich glücklicherweise verändert. „04.03. +++ Kinderspiel“ weiterlesen