05.03. +++ PR-Gag

Wenn man mal eine Ritterrüstung hat, sehen alle aus wie Bösewichter (Bild von www.pixshark.com)
Wenn man mal eine Krone hat, sehen alle andern aus wie Usurpatoren. Kenneth Branagh in seiner Paraderolle als mitreißend-simpler König (Bild von www.pixshark.com)

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass Shakespeares HENRY V. – zumindest in England – eines seiner populärsten Dramen ist. Selbst, wenn man sich das Historienspiel mit der schmallippigsten Political Correctness vornimmt: Es ist mitreißend, begeisternd und leider sogar tief gehend. Was heißt leider, der Tiefgang ist ja seine gute Seite; der hundertprozentige englische Nationalismus die Kehrseite. „05.03. +++ PR-Gag“ weiterlesen

04.03. +++ Kinderspiel

Ein Flirt mit der Pädophilie: Das Vater-Tochter-Ehe-Verhältnis zwischen Nora (Renate Steinle) und Thorvald (Gunther Nickles) (Bild www.theater.ulm.de)
Ein Flirt mit der Pädophilie: Das Vater-Tochter-Ehe-Verhältnis zwischen Nora (Renate Steinle) und Torvald (Gunther Nickles) (Bild www.theater.ulm.de)

Man hats nicht leicht, mit Stoffen aus dem 19. Jahrhundert, in denen die enge, patriarchalische Gesellschaftsordnung jener Zeit thematisiert wird. Wie soll man so etwas heute inszenieren? Für die Geschichte ist es nötig, dass Nora nicht geschäftsfähig ist und so gezwungen war, eine Unterschrift zu fälschen. Das ist natürlich nur die legale Spitze des Eisbergs; entscheidender ist, dass sie von ihrem Mann wie ein unmündiges Kind behandelt wird und diese Rolle auch annimmt. Ein Frauenbild, dass im Laufe des 20. Jahrhunderts mühevoll überwunden wurde – zumindest im größeren Teil der deutschen Gesellschaft. Was nicht heißt, dass es keine Diskriminierung mehr gäbe (vgl. die aktuelle Debatte um den Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern), aber das gesellschaftliche Leitbild hat sich glücklicherweise verändert. „04.03. +++ Kinderspiel“ weiterlesen

03.03. +++ Weißer Riese

Die Fingalshöhle auf der Hebrideninsel Staffa. Felix war da. (Bild von www.de.wikipedia.org)
Die Fingalshöhle auf der Hebrideninsel Staffa. Felix war da. (Bild von www.de.wikipedia.org)

Waren Sie schon mal auf den Hebriden? Eher nicht, oder? Im Gegensatz zu den Kanalinseln kann man auf diesen Flecken im Atlantik ja auch kein Geld waschen, ich glaube aber, es gibt dort sehr schöne Schafwollpullies. Ach nein, das waren die Aran-Inseln. Felix Mendelssohn Bartholdy hingegen war da, aber statt wie jeder Tourist „Felix was here“ irgendwo in den Basalt zu ritzen, musste der Herr natürlich eine ganz besondere Duftmarke hinterlassen, nämlich eine Konzertouvertüre namens DIE HEBRIDEN ODER DIE FINGALSHÖHLE. Heutzutage macht man ja einfach ein Handyfoto von so einem Naturschauspiel wie der Fingalshöhle auf Staffa und stellt es zu Facebook. Ich vermute, Felix hat für sein Souvenir in der Produktion etwas länger gebraucht. Dafür ist die Ouvertüre auch sehr schön geworden, wenn auch kein Konzert nachgefolgt ist. „03.03. +++ Weißer Riese“ weiterlesen

02.03. +++ Nonsense

Ein echtes Schatzkästlein: Jürgen Dahl (Hrsg.), LIMERICKS, LIMERICKS. Frankfurt am Main: Fischer, 1967
Ein echtes Schatzkästlein: Jürgen Dahl (Hrsg.), LIMERICKS, LIMERICKS. Frankfurt am Main: Fischer, 1967

Zu den größten Geschenken, die die anglo-irische Kultur dem Rest der Welt gemacht hat, gehört der Nonsense. Als Gegengewicht zum oder Überdruckventil des Common Sense, jenem zweiten auch irgendwie wichtigen Geschenk, gehört der mit heiligem Ernst zelebrierte Unsinn zu den großen zivilisatorischen Errungenschaften, die wir nur versuchen können, demütig nachzuahmen. Von den Sprachspielen eines Oscar Wilde über die subversive Komik eines James Joyce zum abgründigen Humor eines Beckett und zur anarchischen Sprengkraft der alle Logik vernichtenden Truppe Monty Python zieht sich das Schelmische durch die irisch-britische Hochkultur (und natürlich könnte ich noch viele seiner Helden nennen). Eine besondere und edle Form des Nonsense ist der Limerick, jenes fünfzeilige Gedicht mit dem bemitleidenswert simplen Reimschema und Kindergartenmetrum. „02.03. +++ Nonsense“ weiterlesen

01.03. +++ Fakilaki und Fugue

Hart im Nehmen UND Austeilen: Charly Hübner als Bukow und Anneke Kim Sarnau als König (Bild von www.daserste.de)
Hart im Nehmen UND Austeilen: Charly Hübner als Bukow und Anneke Kim Sarnau als König (Bild von www.daserste.de)

„Da haben wir aber nochmal beide Augen zugedrückt.“ Diese Haltung, die die deutsche Politik zur Zeit gegenüber Griechenland verströmt, macht mich gelinde gesagt ein bisschen nachdenklich. Gönnerhaft gibt man sich, arrogant, um den Ärger gegenüber der Widerborstigkeit der neuen griechischen Regierung irgendwie zu kanalisieren. Und vorneweg rollt der Finanzminister: „Den dummen Jungs in Athen müssen wir ordentlich auf die Finger klopfen.“ Kommt mir irgendwie weder besonders diplomatisch noch erwachsen vor. Ich bin nun kein Finanzexperte, aber durchaus geneigt zu glauben, dass Korruption ein großes Problem im griechischen Finanzsystem ist. Angesichts des heutigen Rostocker Polizeirufs STURM IM KOPF stelle ich mir aber die Frage, wie korrupt es eigentlich in der deutschen Hochfinanz / Hochpolitik zugeht. „01.03. +++ Fakilaki und Fugue“ weiterlesen

28.02. +++ Mongol-Joss

Er hat lieber Erfahrungen erster Hand zu Papier gebracht, statt zu lesen: Fritz Mühlenweg (Bild von www.mühlenwegmuseum.de)
Er hat lieber Erfahrungen erster Hand zu Papier gebracht, statt zu lesen: Fritz Mühlenweg (Bild von www.mühlenwegmuseum.de)

Dieses Geständnis wird Ihnen vielleicht etwas sonderbar vorkommen: Ich muss Bücher zu Ende lesen. Ich habe offenbar eine tief sitzende Angst, etwas verpassen zu können (da ist mit Sicherheit etwas in meiner Kindheit schief gelaufen), und wenn es auch tugendhaft ist, Dinge zu Ende zu bringen, die man mal angefangen hat – wenn man sich beruflich mit Literatur beschäftigt kann das zum Problem werden. Es ist sogar so, dass ich mich scheue, Bücher zu beginnen, wenn ich befürchte, sie nicht ganz lesen zu können. Sei es, dass ich befürchte, sie nicht zu mögen, sei es, dass ich nicht genügend Zeit habe. Dementsprechend wohne ich schon seit Jahren mit einigen Büchern zusammen, die noch frisch wie Morgentau auf dem Regal stehen; wenn wir uns sehen, grüßen wir uns freundlich, beäugen uns aber misstrauisch aus den Augenwinkeln und wahrscheinlich entgeht uns so eine wunderbare Freundschaft. „28.02. +++ Mongol-Joss“ weiterlesen

27.01. +++ Bachelorette

Frauen sind halt Rosen, gell? Sie wollen gepflückt werden. Die Bachelorette 2014 - Anna (Bild von www.express.de)
Frauen sind halt Rosen, gell? Sie wollen gepflückt werden. Die Bachelorette 2014 – Anna (Bild von www.express.de)

Als Englischlehrer hat mans auch nicht leicht. Wenn ich mir vorstelle, THE TWO NOBLE KINSMEN von Shakespeare/Fletcher einer Schar unbedarfter Wissensempfänger zu vermitteln, stellen sich gleich zu Anfang so unangenehme Fragen wie: Ist das jetzt eine Komödie oder Romanze oder was? Immerhin stirbt einer der beiden Titelhelden am Schluss (wenn auch nicht auf Grund einer tragischen Verstrickung), und das gehört sich ja wohl nicht, bei harmlosen Romanzen, oder? Wahrscheinlich hat Eng. Lit. eine eigene Kategorie für diese Art von Stücken erfunden, eine, von der ich noch nie gehört hab, die aber voll wichtig ist, denn wenn man keine Kategorie hat, dann kann man schließlich nicht interpretieren. „27.01. +++ Bachelorette“ weiterlesen

24.02. +++ L****

Fügt sich doch gut ein, oder? - Der Neue
Fügt sich doch gut ein, oder? – Der Neue

Wenn man mit dem Deutschen als Muttersprache aufgewachsen ist, tut man sich im Englischen manchmal schwer mit dem vermeintlich inflationären Gebrauch des L-Wortes. Dem Amerikaner als solchem kommt der Satz „I love you“ ja sehr viel schneller über die Lippen, als wir grummelige Deutsche selbst „Ich hab dich lieb“ sagen würden. Aber selbst wenn an dem kulturellen Snobismus etwas dran sein sollte, dass das deutsche Konzept der Liebe eben etwas viel tiefer Gehendes und daher nicht so schnell und obenhinaus verbalisierbares Gefühl wie „love“ ist – ich glaube, es tut der Seele besser, öfter etwas Gutes zu hören. Genauso wie Umarmungen im Alltag. Selbst wenn es nur eine nette Geste ist, sie bewirkt doch meistens etwas Positives. Also, mal ganz nebenbei: Ich fordere mehr freundliche Worte und Umarmungen im Alltag. Gerade auch im öffentlichen Raum. „24.02. +++ L****“ weiterlesen