01.02. +++ Große Pizza mit allem

Tatort Köln, FREDDY TANZT (Foto: www.daserste.de)
Volkram Zschiesche, Hannes Wegener, Julian Weigend und Ursina Landi in FREDDY TANZT (Foto: www.daserste.de)
Okay, lassen wirs nochmal Revue passieren: Ein genialer junger Pianist, der auch noch ein netter junger Mann ist (mit bösem Dirigentenvater, der ihn vernachlässigt und lieber Physiotherapeutenmutter, die sich eigentlich um ihn sorgt), wird von seiner Freundin verlassen und landet auf der Straße; als er in einer Bar zum Klavierspielen anheuern will, spielt er zu gut und wird vom Chef rausgeschmissen „01.02. +++ Große Pizza mit allem“ weiterlesen

31.01. +++ Tristesse oblige

Sieht gar nicht unglücklich aus: Yasmina Reza (Foto: diepresse.com)
Sieht gar nicht unglücklich aus: Yasmina Reza (Foto: diepresse.com)
Es sind bestimmte Situationen, die wie Zugvögel immer wieder kommen: Eheliche Sprachlosigkeit, die sich in plötzlichen Handgreiflichkeiten entlädt; das Kramen in der Handtasche, das eine Suche nach Halt ist; die Ratlosigkeit, wie der Geschlechtsverkehr anzufangen ist. Ist das alles „aus dem Leben gegriffen“? Ein „Abbild der Wirklichkeit“? Ich weiß es nicht, und ich bin auch nicht sicher, dass Yasmina Reza das behaupten würde. Vielleicht würde sie sagen, dass sie diese Menschen kennt, wenn auch nicht in der jeweiligen Zusammensetzung.

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30.01. +++ Am Ende

Melancholia
Ob der kosmische Totentanz so aussehen wird? Still aus MELANCHOLIA (Foto: Wikipedia)

Wenn man sich mal an den täglichen Kunstkonsum gewöhnt hat, bringt das nicht nur Vergnügen mit sich. Heute zum Beispiel war ich den ganzen Tag ein bisschen übellaunig, weil ständig noch irgendwas anderes zu erledigen war, so dass ich wirklich fürchten musste, nicht dazu zu kommen. Keine Kunst? Welchen Sinn hätte dann der Tag gehabt? „30.01. +++ Am Ende“ weiterlesen

29.01. +++ Körpersprachgewaltexzess

Eine der wenigen zeitgenössischen Shakespeare-Illustrationen (Quelle: Wikipedia)
Eine der wenigen zeitgenössischen Shakespeare-Illustrationen, das so genannte „Peacham Drawing“ (Quelle: Wikipedia)

Ein alternder, noch immer erfolgreicher Feldherr kehrt nach Hause zurück. Von den einst zwanzig Söhnen sind die meisten schon gefallen, fürs Vaterland. Auch von diesem „Sieg“ über die Goten bringt er wieder die Leichen von Söhnen mit. Das Volk von Rom dient ihm die Kaiserwürde an – aber er hat eine sehr fest gefügte Vorstellung von seiner Rolle im System des Staates, er will dienen. Und das wird ihm zum Verhängnis. Er verliert bis auf einen Sohn alle anderen, seine Tochter wird vergewaltigt, ihre Hände abgeschlagen und ihre Zunge herausgerissen, er selbst verliert eine Hand – und das sind noch nicht alle Toten, die in diesem Stück beklagt werden. „29.01. +++ Körpersprachgewaltexzess“ weiterlesen

28.01. +++ Reichtum

Eine handsignierte Ausgabe, Kostenpunkt: 4.500 Dollar. Was der Höhepunkt der Absurdität ist. (Foto von www.tbcirarebooks.com)
Eine handsignierte Ausgabe, Kostenpunkt: 4.500 Dollar. Was der Höhepunkt der Absurdität ist. (Foto von www.tbcirarebooks.com)
Es ist ein Wunder, dass wir als Erwachsene überhaupt überleben können, bei all den Verlusten, die wir während des Erwachsenwerdens erleiden. Die Prioritäten verschieben sich langsam, manchmal auch sprunghaft, bis es um solche Sachen wie Geld und Jobs und Macht geht, statt um Früchtekuchen. Wo doch jeder, der sich ehrlich befragt, weiß, dass Früchtekuchen (oder Stollen, oder was auch immer die regionale Entsprechung ist) wesentlich wichtiger ist, als all diese zuvor angesprochenen oberflächlichen Dinge. Vor allem, wenn man mühevoll das Geld für die Zutaten zusammenspart, einen ganzen Tag lang Hickory-Nüsse liest und knackt, illegal Whiskey als Backzutat kauft und am Ende 31 Kuchen backt und sie fast alle verschenkt.

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Es steht geschrieben +++ Zur Auswahl

Vielleicht ist das jetzt ein bisschen weit ausgeholt, aber das kann man ja mal machen. +++ Wenn ich mir Gedanken darüber mache, was wir wissen können, was wir tun sollen und was wir hoffen dürfen, stehe ich immer wieder vor folgendem Problem: Wenn das Universum aus einer endlichen oder von mir aus auch unendlich unendlichen Anzahl von Teilchen besteht – das können wir nicht wissen, aber es müsste ja so sein. „Es steht geschrieben +++ Zur Auswahl“ weiterlesen

27.01. +++ Seidenpapier

Fräulein Freundlich, FAST EIN BISSCHEN FRÜHLING (Foto: Malte Kreutzfeldt, von www.pathosmuenchen.de)
Fräulein Freundlich, FAST EIN BISSCHEN FRÜHLING (Foto: Malte Kreutzfeldt, von www.pathosmuenchen.de) Was das böse Kind mit dem Abend zu tun hat? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es die Seele der Geschichte?
Zum Beispiel die Blüten aus Seidenpapier, die Tanya Häringer aka Dorly Schupp zu Beginn der Vorstellung rollt. Sie klebt sie mit dem Kreppband, das zu ihrer Allzweckwaffe an diesem Abend werden wird, an einen Buschast und bringt ihn so zum Blühen. Wieso? Vielleicht, weil sie und ihre beiden Mitstreiter Peter Lutz (Puppenspiel) und Dominik Obalski (Musik) so einige fantastische Blumensträuße aus ihren vielen Theaterkisten zaubern, um die Welt der Schallplattenverkäuferin Dorly und der beiden Schwerverbrecher Kurt Sandweg und Waldemar Velte auferstehen zu lassen.  „27.01. +++ Seidenpapier“ weiterlesen

26.01. +++ Beschwerde!

Björk, BIOPHILIA (2011, Foto: Wikipedia)
Björk, BIOPHILIA (2011, Foto: Wikipedia)

Die Wucht ist erschreckend; ich würde nicht wagen, diese Musik laut in einem großen Raum zu hören, am Ende stürzt noch die Decke ein. Oder die Mauern von Jericho. Ich meine das völlig positiv: BJÖRK ist keine Abrissbirne, aber so kompromisslos geradlinig in Wahl und Einsatz ihrer Mittel, dass sie auch mit klarem Wasser Schreckliches anrichten könnte. Ich habe mir heute den Schleuderwaschgang BIOPHILIA gegönnt, Björks vorletztes Album, von 2011, und bin völlig ohne LSD in einem sehr bunten Land der modernen Sagen gelandet, in dem ununterbrochen Techno neben archaischen Saitenklängen, solo a capella Gesang neben atmosphärischen Vokalflächen geboren wird und wieder vergeht. „26.01. +++ Beschwerde!“ weiterlesen

25.01.+++ Seelenlandschaft

Adonis, DER WALD DER LIEBE IN UNS, erschienen bei Jung und Jung, 2013
Adonis, DER WALD DER LIEBE IN UNS, erschienen bei Jung und Jung, 2013

Ich brauche Ruhe, um zu lesen. Spezifische Geräusche, ein laufender Fernseher, ein Gespräch, machen es mir unmöglich, mich zu konzentrieren, während ich in einem Café oder in der U-Bahn problemlos lesen kann. Na jedenfalls meistens, und das geht wahrscheinlich den meisten Leuten so. Aber für unterschiedliche Arten von Literatur gelten unterschiedliche Regeln. Ein Roman holt mich überall ab, er hat viele Türen, ist ein guter Kumpel. Theaterstücke haben in der Regel mehrfach gespaltene Persönlichkeiten, die leicht auf dem falschen Fuß erwischt werden können und einem das Leben nicht immer einfach machen. „25.01.+++ Seelenlandschaft“ weiterlesen