09.01. +++ Vorwölbung

Benn Gedichte
Dr. Benns Beitrag zu meiner quasi-medizinischen Betrachtung der Kunst

Nach acht Tagen regelmäßigem Kunstkonsum beobachte ich verschiedene Veränderungen. Erstens: Vorfreude. Die Zeit, die ich jeden Tag mit der Kunst verbringe, ist eine in der Regel schöne, meist auch noch spannende und unterhaltsame. Die Zeit mit der Kunst tut meinem Seelengleichgewicht gut. Ich freue mich schon darauf. Zweitens: Wachsender Anspruch. Ein Werk zu finden, das meinen Erwartungen gerecht wird, wird nicht einfacher. Ich will weder jeden Tag das gleiche Genre noch immer bekannte Künstler zu mir nehmen. Und in Personalunion Redakteur, Showmaster und Konsument zu sein, macht die Sache nicht einfacher. Drittens: Steigender Druck. Wenn der vage entworfene Zeitplan für den Tag zu kippen droht, wenn ich kein Werk finde, das mich anspricht, wenn ich zu müde bin, um etwas zu lesen, zu hören, zu sehen, dann droht meine Seelenruhe akut zu entgleisen. So schön die Kunst ist, wenn man sie plötzlich entbehren muss, wird sie zum Unruhestifter.

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08.01. +++ Kampfspuren

Kaligraphie mit Grün HP 2000
Harald Puetz, KALIGRAPHIE MIT GRÜN (Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm, 2000)

Grün gilt unter Säugetieren nicht als gesunde Farbe. Grün darf sein, was rein geht, aber grün sollte nichts sein, was raus kommt. Grün soll das Parteibuch sein, aber nicht die Gesichtsfarbe. Oder gar petrol. Es ist kein Zufall, dass Aliens in aller Regel dunkelgrüne Schleimmonster sind, denn von Echsen/Krokodilen/Sauriern dieser Couleur sollte sich Otto Normalsäugetier besser fern halten.

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07.01.+++ Straße schwarzweiß

Rachmaninow
Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow (Foto: Wikipedia)

Die Welt der Musik zerfällt für mich in zwei Teile, diejenige zum Mitsingen und die eher anstrengende. Unter der nicht-singbaren Musik gibt es immer noch die Pfeifbare, ein Zugang, von dem ich gern Gebrauch mache, ansonsten aber höre ich mich oft eher Geräuschen denn Schönheit ausgesetzt. Dieses Schwarz-Weiß-Hören ist bitteschön mein ganz persönliches Problem, ich bin intuitiv nicht der instrumentale Genießer, was aber nicht heißt, dass ich Musik, Musikern oder Komponisten Wert und Qualität abspreche, nur mich springt halt seltener was wirklich an. Heute aber schon. Zunächst der Hund, „07.01.+++ Straße schwarzweiß“ weiterlesen

06.01. +++ Schlehenstücke

Silent Planet
Graeme McKnight und Matthew Thomas in der Uraufführungsinszenierung (Foto: Scott Rylander, von www.theguardian.com)

Leute, die freiwillig Theaterstücke LESEN sind entweder Spinner, Streber oder Dramaturgen. Oft fallen mehrere dieser Umstände zusammen. Wie bei mir. Theater ist NATÜRLICH eine Livekunst, die Schauspieler, Bühne und Publikum braucht, aber mei, für den kleinen Geldbeutel oder den anspruchsvollen Geschmack tuts auf jeden Fall auch das Kopftheater sponsored by Reclam. „06.01. +++ Schlehenstücke“ weiterlesen

Meine Stücke

Kripo Ulm: Episode 2 – Theaterblut
Eine filmische Krimi-Theater-Reihe
nach einer Idee von Daniel Grünauer
Uraufführung 13.01.2017, Theater Ulm
>>> Trailer

Phone Home
Ein tri-nationales Theaterprojekt.
Texte von Eri Kyrgia, Yannis Kalavrianos, Nora Schüssler, Michael Sommer, Zodwa Nyoni, Tom Mansfield
Regie Yannis Kalavrianos, Tom Mansfield, Michael Sommer
Uraufführung 19.10.2016, Shoreditch Townhall, London; Schwere Reiter, München; Sfendoni Theater, Athen.
>>> Projektbeschreibung
>>> Dokumentation

Oh, wie schön ist Panama (Libretto)
Kindermusical von Basti Bund
nach dem Kinderbuch von Janosch
Uraufführung Ende 2016

Und Nachts die Freiheit (Libretto)
Kindersingspiel von Basti Bund
für die Landesakademie der musizierenden Jugend Baden-Württemberg in Ochsenhausen
Uraufführung 10.09.2016, Ochsenhausen
Veröffentlicht im Carus Verlag Stuttgart

Der Brandner Kasper guckt ins Paradies (Neufassung)
Volksstück nach der Erzählung von Franz von Kobell
Uraufführung 02.07.2016, Volksbühne Bad Emstal
Veröffentlicht im Kaiser Verlag Wien

Der Kleine Prinz (Libretto)
Kinderoper von Basti Bund
nach dem Kinderbuch von Antoine de Saint-Exupéry
Uraufführung 01.05.2016, Biberach
Veröffentlicht im Carus Verlag Stuttgart
>>> To-Go-Version mit Hörbeispielen

Kripo Ulm: Episode 1 – Ausbruch
Eine filmische Krimi-Theater-Reihe
nach einer Idee von Daniel Grünauer
Uraufführung 31.01.2016, Theater Ulm
>>> Trailer

Sternengucker (Libretto)
Kindersingspiel von Basti Bund
Uraufführung 13.12.2015, Evangelische Christuskirche Paris

Gebrauchsanleitung für Eltern und andere Psychos
Ein musikalischer Theaterabend zum Umgang mit psychischen Krankheiten innerhalb der Familie und außerhalb.
Mit Basti Bund und Simon Reimold
>>> Trailer „Meine Stücke“ weiterlesen

05.01. +++ Zeitmangel

Night Watch
(Foto von www.terrypratchettbooks.com)

Das wirklich Schwierige an guten Vorsätzen ist nicht, sie zu verwirklichen. Das Schwierige ist, dass die viele ungenutzte Zeit, die sich in der Silvesternacht noch lockend und jungfräulich vor dem geistigen Auge ausbreitet, sich nach spätestens einer Woche in ein zerknülltes Papiertaschentuch verwandelt hat, in dem man vergebens eine trockene Ecke sucht. Wer hat denn Zeit, vorsätzlich all die guten neuen Sachen zu machen, wenn so viel Alltag plötzlich um die Ecke guckt und verbraucht werden muss? Zum Beispiel Romane.

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04.01. +++ Im Dreck

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Die gestrenge Aufseherin der Nymphen.

Wie jeder weiß, gehört die Architektur, und damit auch die Gestaltung von Gärten, neben Malerei und Skulptur, zu den klassischen Disziplinen der Bildenden Kunst. Was nicht heißt, dass so ein Park leicht zu konsumieren ist, zumal im Winter. Der Nymphenburger Schlosspark, eine immerhin ziemlich große und historische Gartenanlage, empfängt uns jedenfalls erst einmal frostig und dreckig. Ich will jetzt nicht überkritisch sein, wenn man im Wald spazieren geht, ist es um die Jahreszeit auch eher unfreundlich, aber an so einen Park hat man eine andere Erwartungshaltung.

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03.01. +++ Joan Baez, Vol. 2

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Kann man heute auch als CD kaufen: Joan Baez Vol. 2 (Foto von www.acerecords.co.uk)

Ich hoffe, Sie kennen das: Wenn man von einem Lied ganz unerwartet getroffen wird. Mein heutiges Kunstwerk ist mir auf diese Weise zugestoßen, es ist DONNA DONNA in der Version von Joan Baez auf ihrem Album JOAN BAEZ VOL. 2 von 1961. Ich hatte das Album schon länger, habe mir aber nie die Mühe gemacht, es ganz anzuhören – ein Fehler. Die meisten der Folksongs, die sie darauf singt, fallen wohl in die Kategorie „Traditional“, wenn auch DONNA DONNA zum Zeitpunkt der Aufnahme kaum zwanzig Jahre alt war. Aber bevor ich mich in Fakten verliere, versuche ich lieber, die Wirkung dieses Liedes zu beschreiben. Ich höre ein paar Gitarrenakkorde, dann aber eine kleine Geschichte, von einem Kalb, einer Schwalbe und einem Bauern, der das Kalb zum Markt – wahrscheinlich zur Schlachtbank – fährt und sich auch noch halb über das unglückliche Kalb lustig macht. „03.01. +++ Joan Baez, Vol. 2“ weiterlesen

02.01. +++ Wer’s glaubt, wird selig

Wersglaubt
Erschreckend authentische Seventies-Gesichtsbehaarung: Christian Ulmen und Nikolaus Paryla in WER’S GLAUBT WIRD SELIG (Foto von http://www.wers-glaubt-wird-selig-film.de/)

Ich gebe zu, ich bin nicht so wahnsinnig handwerklich begabt, und wenns mal was zu bohren, aufzubauen, anzuschrauben, aufzuhängen undsoweiter gibt, habe ich schnell keine Geduld mehr und wills einfach hinter mich bringen, und dann wirds schief und ich ärgere mich, und der Hund pariert auch nicht mehr und ich bin unfreundlich zu meiner Frau – gut, die wollte ja auch zu Ikea. Naja. Am Ende eines langen Tages ist alles aufgebaut, installiert, geputzt und sogar die ***kartons zerkleinert und in der Tonne, und jetzt gibts ein Kulturgut. Die Entscheidung fällt auf einen Film namens WER’S GLAUBT, WIRD SELIG, über die Feiertage aufgezeichnet. Ich kenne ihn noch nicht, eine Freundin hat ihn aber wärmstens empfohlen und im Vorgängerfilm von Regisseur Rosenmüller (WER FRÜHER STIRBT IST LÄNGER TOT) haben wir sehr gelacht. Also rein in den neuen Ikeasessel und angeschnallt, denn es wird ein anspruchsvoller Abend für die Lachmuskeln. „02.01. +++ Wer’s glaubt, wird selig“ weiterlesen

übermich

MS
Lieblingsbeschäftigung als Dramaturg: Kulturbingo

Michael Sommer (*1976 in Kassel) stammt aus Nordhessen. Eine glückliche Kindheit mit viel frischer Luft und die natürliche Skepsis der Nordhessen gegenüber allem Unbekannten ließ in ihm ein Interesse an Kunst, insbesondere an Theater und Literatur wachsen. Paradoxerweise. Er studierte englische und deutsche Literatur (sowie ein bisschen Kunstgeschichte) in Freiburg und Oxford, wo er seine akademischen Bemühungen mit einem Master of Philosophy in „European Literature“ krönte. Er begann seine Theaterlaufbahn in Berlin und arbeitete ab 2003 elf Jahre lang am Ulmer Theater, als Regieassistent, Regisseur, Autor, Übersetzer und Dramaturg.

Während seiner langjährigen Arbeit als Leitender Schauspieldramaturg am Theater Ulm konnte er dort ein Livestreaming-Projekt aufbauen und sich eingehend mit dem Thema Theater und Netz beschäftigen. Er schreibt und inszeniert seit zehn Jahren Theaterstücke, zuletzt REFUGIUM (2014, Theater Ulm), ANTIGONE/SOPHIE (2013, Theater Ulm), ROMMEL – EIN DEUTSCHER GENERAL (2012, Theater Ulm, mit Stephan Suschke). Für seine Theaterprojekte arbeitete er unter anderem mit Flüchtlingen in Ulm und Neu-Ulm zusammen (REFUGIUM, 2014), entwickelte ein partizipatives Projekt mit Menschen mit und ohne Behinderung (RENT A FOOL, 2014), leitete eine Theatergruppe in einem Ulmer Gefängnis (WOYZECK, 2013) und entwickelte ein Präventionsstück zum Thema ‚Kinder psychisch kranker Eltern’ für Jugendliche (NUTTERS, 2010), das vier Jahre lang durch Süddeutschland tourte.

MS und Watson
Mit dem größten Fan (Watson)