11.11. +++ Das Schweigen

Lassen wir sie weiterreden und weitermachen, oder sagen wir was dazu? Links die Brandstifter, rechts Biedermann.
Lassen wir sie weiterreden und weitermachen, oder sagen wir was dazu? Links die Brandstifter, rechts Biedermann.

Es war scharf formuliert, das gebe ich zu: „Wer wegguckt, wenn Brandstifter sich in der Nachbarschaft einnisten, der reicht ihnen das Feuerzeug. Und wer schweigt, wenn Pegida, AfD und andere Rechtsextreme demonstrieren, der hat Freiheit und Demokratie nicht verdient.“ Dieses Fazit habe ich ans Ende der To-Go-Version von Frischs BIEDERMANN UND DIE BRANDSTIFTER gestellt. Es hat viel Zustimmung hervorgerufen, aber auch Widerspruch. Dieser Widerspruch, insbesondere von einer Nutzerin auf Facebook, hat mich etwas mitgenommen, weil es sich dabei um eine ausgefeilte Argumentation handelte, etwa in folgendem Sinne: „Woher nehmen Sie das Recht, bestimmte Positionen zu verdammen? Demokratie lebt doch von der Diskussion. Gibt es jetzt eine Zensur oder was?“ Es fielen Begriffe wie „besorgte Bürger“ und es wurde unterstellt, ich würde „Angst schüren“, indem ich diese armen Leute in eine rechtsextreme Ecke stelle. „11.11. +++ Das Schweigen“ weiterlesen

26.05. +++ Polly Day

Das "Weiberregiment" (deutscher Titel) zeigt seine Farbe in Parodie des berühmten Kriegsfotos "Raising the Flag on Iwo Jima" (Bild von www.terrypratchettbooks.com)
Das „Weiberregiment“ (deutscher Titel) zeigt seine Farbe in Parodie des berühmten Kriegsfotos „Raising the Flag on Iwo Jima“ (Bild von www.terrypratchettbooks.com)

Waren Sie mal am so genannten Poppy Day in England? Dieser Heldengedenktag findet anlässlich der Einstellungen der Kampfhandlungen 1918 alljährlich am 11. November statt, es finden Umzüge, Kranzniederlegungen, Paraden und Veranstaltungen statt. Uniformierte Leute überall in der Öffentlichkeit, die eine (Plastik-)Mohnblume im Revers tragen – und in der Regel dafür einige Pfund an Spenden bezahlt haben. Wenn man bedenkt, dass zur gleichen Zeit in Köln und Mainz der Karnevalsbeginn mit einer ganz anderen Art von Uniformität begangen wird, ist dieses Spektakel für deutsche Gemüter umso befremdlicher. Zunächst das Ende des Zweiten Weltkriegs und abschließend das Ende der deutsch-deutschen Teilung haben unser Land weitestgehend vom Militarismus befreit, der in anderen Gegenden der Welt, die wir gemeinhin als äußerst zivilisiert betrachten, durchaus gepflegt wird. Von Amerika will ich gar nicht reden. Ich sage das auch vor dem Hintergrund der Inszenierung von Lenz’ DIE SOLDATEN, die zu sehen ich vergangene Woche das eingeschränkte Vergnügen hatte. Wieso, bei aller Hassliebe zum Militär, sollen wir über eine Remilitarisierung unserer Gesellschaft sprechen? Wenn es doch so wäre! Willkommene Feindbilder! Ein Engländer hat da weit größeren Grund zur Klage über eine militarisierte Gesellschaft, und wenige haben Sie so klug und unterhaltsam geführt wie Terry Pratchett in seinem Soldatenroman MONSTROUS REGIMENT. „26.05. +++ Polly Day“ weiterlesen