08.05. +++ High on Emotion

Ob Caius Martius Coriolanus sein heimliches Vorbild ist? Er hält jedenfalls ebenso wenig mit seinen Gefühlen hinterm Berg wie der Römer: Dieter Bohlen (Bild von www.sueddeutsche.de)
Ob Caius Martius Coriolanus sein heimliches Vorbild ist? Er hält jedenfalls ebenso wenig mit seinen Gefühlen hinterm Berg wie der Römer: Dieter Bohlen (Bild von www.sueddeutsche.de)

Egal ob bei DSDS, Supermodel, Dschungelcamp, Let’s Dance oder Bachelor – um Inhalte und Sachfragen geht es nur am Rande. Was das Privatfernsehen in den letzten Jahren zur großen Kunst erhoben hat, ist die Ausweitung und Ausweidung der Gefühligkeit. „Zu leiden, zu weinen, zu genießen und zu freuen sich“, darum gehts, anders ist es wohl kaum zu erklären, warum Juryentscheidungen, Rosenvergaben, Battles und Rendezvous unendlich in die Länge gezogen, analysiert, wiedergekäut und bis zum letzten Tropfen ausgepresst werden: Das „echte“ Gefühl, das die Beteiligten in diesen „Schicksalsmomenten“ hatten, bringt Quote, überwindet die Trennung durch das Medium, verbindet die Zuschauerschaft völlig authentisch-menschlich in einer Zeit, in der wir als Gesellschaft spüren, wie das Universum auseinander driftet. Und obwohl es ein großartiges Stück ist, und weder in Form noch Geschichte etwas mit diesen Sendungen gemein hat: Shakespeares CORIOLANUS tut genau dasselbe. „08.05. +++ High on Emotion“ weiterlesen

26.01. +++ Beschwerde!

Björk, BIOPHILIA (2011, Foto: Wikipedia)
Björk, BIOPHILIA (2011, Foto: Wikipedia)

Die Wucht ist erschreckend; ich würde nicht wagen, diese Musik laut in einem großen Raum zu hören, am Ende stürzt noch die Decke ein. Oder die Mauern von Jericho. Ich meine das völlig positiv: BJÖRK ist keine Abrissbirne, aber so kompromisslos geradlinig in Wahl und Einsatz ihrer Mittel, dass sie auch mit klarem Wasser Schreckliches anrichten könnte. Ich habe mir heute den Schleuderwaschgang BIOPHILIA gegönnt, Björks vorletztes Album, von 2011, und bin völlig ohne LSD in einem sehr bunten Land der modernen Sagen gelandet, in dem ununterbrochen Techno neben archaischen Saitenklängen, solo a capella Gesang neben atmosphärischen Vokalflächen geboren wird und wieder vergeht. „26.01. +++ Beschwerde!“ weiterlesen