08.05. +++ High on Emotion

Ob Caius Martius Coriolanus sein heimliches Vorbild ist? Er hält jedenfalls ebenso wenig mit seinen Gefühlen hinterm Berg wie der Römer: Dieter Bohlen (Bild von www.sueddeutsche.de)
Ob Caius Martius Coriolanus sein heimliches Vorbild ist? Er hält jedenfalls ebenso wenig mit seinen Gefühlen hinterm Berg wie der Römer: Dieter Bohlen (Bild von www.sueddeutsche.de)

Egal ob bei DSDS, Supermodel, Dschungelcamp, Let’s Dance oder Bachelor – um Inhalte und Sachfragen geht es nur am Rande. Was das Privatfernsehen in den letzten Jahren zur großen Kunst erhoben hat, ist die Ausweitung und Ausweidung der Gefühligkeit. „Zu leiden, zu weinen, zu genießen und zu freuen sich“, darum gehts, anders ist es wohl kaum zu erklären, warum Juryentscheidungen, Rosenvergaben, Battles und Rendezvous unendlich in die Länge gezogen, analysiert, wiedergekäut und bis zum letzten Tropfen ausgepresst werden: Das „echte“ Gefühl, das die Beteiligten in diesen „Schicksalsmomenten“ hatten, bringt Quote, überwindet die Trennung durch das Medium, verbindet die Zuschauerschaft völlig authentisch-menschlich in einer Zeit, in der wir als Gesellschaft spüren, wie das Universum auseinander driftet. Und obwohl es ein großartiges Stück ist, und weder in Form noch Geschichte etwas mit diesen Sendungen gemein hat: Shakespeares CORIOLANUS tut genau dasselbe. „08.05. +++ High on Emotion“ weiterlesen

03.05. +++ In der Schwebe

Freaks, alle vier. Die mehr oder weniger akuten Probleme des Ermittlerteams wiegen in SCHWERELOS das eigentliche Verbrechen auf. (Aylin Tezel, Jörg Hartmann, Anna Schudt, Stefan Konarske. Bild von www.daserste.de)
Freaks, alle vier. Die mehr oder weniger akuten Probleme des Ermittlerteams wiegen in SCHWERELOS das eigentliche Verbrechen auf. (Aylin Tezel, Jörg Hartmann, Anna Schudt, Stefan Konarske. Bild von www.daserste.de)

Es ist nicht leicht, sich einen Krimi auszudenken. Und noch weniger leicht ist es, dies innerhalb einer Tatort-Reihe zu tun, denn dabei soll ja eine Kontinuität, womöglich sogar eine konsequente Entwicklung bei den ermittelnden Beamten vorhanden sein. Vielleicht sogar noch eine spannende Dynamik im Team? Und wenn das Produktionsteam und die Redakteure der betreuenden Fernsehanstalt schon alles richtig gemacht haben, dann muss auch noch die Besetzung und die Regie stimmen. Kommt all das zusammen, dann – und es ist eine Seltenheit – kann etwas so großartiges wie der heutige Dortmunder Tatort SCHWERELOS dabei heraus kommen. „03.05. +++ In der Schwebe“ weiterlesen

24.02. +++ Empathie-Entropie

Eben nicht im Fernsehen, sondern auf einer Studiobühne werden die ausgewählten Stücke des OUDS New Writing Festival präsentiert (Bild von www.facebook.com/oxforduniversitydrama)
Eben nicht im Fernsehen, sondern auf einer Studiobühne werden die ausgewählten Stücke des OUDS New Writing Festival präsentiert (Bild von www.facebook.com/oxforduniversitydrama)

Ich durfte heute bei einer Fernsehproduktion am Set dabei sein, und dem Regisseur über die Schulter schauen. Was eine sehr spannende und faszinierende Erfahrung war, denn so eine tägliche Fernsehproduktion hat mit Theater so viel gemeinsam, wie ein Faustkeil mit einem Fertigungsroboter bei Daimler. Oder BMW. Verzeihung. Im Grunde die gleiche Funktion, nur viel komplexer. Ich habe selbst schon genügend unhöfliche Praktikanten gehabt, um mich nach Möglichkeit allen Beteiligten vorzustellen, dummerweise laufen da aber ziemlich viele Leute herum, und ich wollte natürlich keinesfalls den Betrieb aufhalten. Jedenfalls kommt irgendwann eine Schauspielerin auf mich zu, der ich mich noch nicht vorgestellt habe, und überrumpelt mich mit: „Wer sind Sie?“ – „Ich hospitiere heut bei Frank [dem Regisseur].“ – „Was machen Sie?“ – „Ich äh hospitiere, ich bin der…“ Aber da lief der Fertigungsroboter schon weiter und irgendwer erklärte ihr in einfachen, kurzen Worten, was hospitieren heißt, und sie murmelte noch „Wieder was gelernt.“ „24.02. +++ Empathie-Entropie“ weiterlesen