19.06. +++ Ich kriege nie genug

Ich weiß, dass ist ein bisschen mies, Popstars als Köder einzusetzen, und dann gehts um ein Gedicht (!!!). Aber wenns um Kultur geht, heiligt der Zweck die Mittel. Und immerhin kommt ihr Songtitel vor: Christina Stürmer (Bild von www.clipfish.de)
Ich weiß, dass ist ein bisschen mies, Popstars als Köder einzusetzen, und dann gehts um ein Gedicht (!!!). Aber wenns um Kultur geht, heiligt der Zweck die Mittel. Und immerhin kommt ihr Songtitel vor: Christina Stürmer (Bild von www.clipfish.de)

Wenn man Eichendorff heißt und dann ständig Gedichte über den Wald schreibt, ist man entweder komplett schmerzfrei oder hat einen bemerkenswerten Sinn für „Branding“. Bei dem Freiherrn Joseph dieses Namens scheinen beiden dieser Faktoren eine Rolle gespielt zu haben, und vermutlich noch ein Sinn für die Schicksalhaftigkeit (womöglich sogar „Vorbestimmung“) seines Namens. Jedenfalls habe ich mir heute das Vergnügen erlaubt, mehrere seiner Gedichtchen zu mir zu nehmen, und es ist, da hat mein Freund Wikipedia recht, schon ziemlich oft vom Wald, vom Raunen, von der Sternennacht und so die Rede. Mit der (zu seiner Zeit) modernen Zivilisation hat das gar nichts zu tun, sondern mit einem gepflegten Eskapismus. „19.06. +++ Ich kriege nie genug“ weiterlesen

03.04. +++ Folterwerkzeuge

Guckt auch schon so spaßfeindlich: Paul Gerhardt (Bild von www.zeno.org)
Guckt auch schon so spaßfeindlich: Paul Gerhardt (Bild von www.zeno.org)

Es ist widerspricht deutlich meinem dramaturgischen Gefühl, aber inhaltliche Gründe überwiegen: Nachdem ich gestern schon über den Lyriker Wolfram von Eschenbach geschrieben habe, mache ich heute schon wieder eine einzelne Liedstrophe zum Gegenstand meiner Kunstbetrachtung, nämlich Paul Gerhardts O HAUPT VOLL BLUT UND WUNDEN. Dieses Lied ist für mich der Inbegriff von Karfreitag, und zwar musikalisch ebenso wie literarisch. „03.04. +++ Folterwerkzeuge“ weiterlesen

02.04. +++ Geschäftsidee

Okay, das ist wirklich Fiktion: Solche Öhrchen, wie im Codex Manege behauptet, hat sich Wolfram bestimmt nicht an den Reithelm geschraubt (Bild von www.de.wikipedia.org)
Okay, das ist wirklich Fiktion: Solche Öhrchen, wie im Codex Manege behauptet, hat sich Wolfram bestimmt nicht an den Reithelm geschraubt (Bild von www.de.wikipedia.org)

Eigentlich erstaunlich: Da dichtet einer das berühmteste (oder von mir aus auch zweitberühmteste) mittelhochdeutsche Versepos und behauptet dabei, dass er nicht schreiben kann. Und keinen störts. Der Autor heißt WOLFRAM VON ESCHENBACH, sein Epos heißt PARZIVAL, darum gehts heut zwar nicht, sondern um ein Gedicht von ihm, aber noch einmal zurück zur Ausgangsfeststellung: Wolfram, einer der Top-Poeten des deutschen Mittelalters, kann wahrscheinlich nicht schreiben. Nun gibt es Wissenschaftler, die behaupten, dass stimme gar nicht, sondern das sei nur so eine Legende, die dieser selbststilisierte Mann aus dem Volk um sich gewoben habe, um sich noch interessanter zu machen. „02.04. +++ Geschäftsidee“ weiterlesen

16.03. +++ Gemüse des Todes

Beweisstück eins: Das verführerisch duftende Schulbuch meiner Eltern
Beweisstück eins: Das verführerisch duftende Schulbuch meiner Eltern

Ich verdanke meine Zuneigung zur Lyrik nicht unwesentlich einer dünnen Sammlung namens FÜNFUNDSIEBZIG DEUTSCHE BALLADEN, die meinem Vater oder meiner Mutter aus dem Eigentum des Staates Hessen übereignet wurden und sich auf unserem Dachboden in einer alten Anrichte befanden. Gut, vielleicht hat eine/r von beiden das Büchlein auch geklaut, denn einen entsprechenden Stempel („Dem Schüler übereignet“ [damals hatte mans noch nicht so mit „der Schülerin“]) sucht man darin vergebens. Das Büchlein roch son bisschen streng, aber das hielt mich weder davon ab, es mir selbst zu übereignen, noch mich für die darin enthaltenen rhythmischen erzählenden Gedichte zu begeistern. „16.03. +++ Gemüse des Todes“ weiterlesen

06.03. +++ Mixed Media

Für manche ist es nur eine Küchenhilfe, für mich ist es der Zernichter einer Weltordnung: Das gemeine Handrührgerät (Bild von http://kleinanzeigen.ebay.de)
Für manche ist es nur eine Küchenhilfe, für mich ist es der Zernichter einer Weltordnung: Das gemeine Handrührgerät (Bild von http://kleinanzeigen.ebay.de)

Dem April werden traditionell viele Vorwürfe gemacht, er sei wechselhaft, man wisse nicht woran man bei ihm sei, ob es jetzt noch Spätwinter oder schon Frühling oder was und außerdem sei Hitler in ihm geboren. All das ist wahr, aber andererseits lobt Chaucer den Monat am Anfang seiner CANTERBURY TALES trotzdem sehr („Wenn der April erst mal da ist, mit seinen süßen Schauern… undsoweiter… dann gehn die Leute gern auf Pilgerreise.“). Damals gabs noch keinen Urlaub, dafür alle Naslang den Gedenktag eines Heiligen und eben Pilgerreisen, statt Ferien. „06.03. +++ Mixed Media“ weiterlesen

02.03. +++ Nonsense

Ein echtes Schatzkästlein: Jürgen Dahl (Hrsg.), LIMERICKS, LIMERICKS. Frankfurt am Main: Fischer, 1967
Ein echtes Schatzkästlein: Jürgen Dahl (Hrsg.), LIMERICKS, LIMERICKS. Frankfurt am Main: Fischer, 1967

Zu den größten Geschenken, die die anglo-irische Kultur dem Rest der Welt gemacht hat, gehört der Nonsense. Als Gegengewicht zum oder Überdruckventil des Common Sense, jenem zweiten auch irgendwie wichtigen Geschenk, gehört der mit heiligem Ernst zelebrierte Unsinn zu den großen zivilisatorischen Errungenschaften, die wir nur versuchen können, demütig nachzuahmen. Von den Sprachspielen eines Oscar Wilde über die subversive Komik eines James Joyce zum abgründigen Humor eines Beckett und zur anarchischen Sprengkraft der alle Logik vernichtenden Truppe Monty Python zieht sich das Schelmische durch die irisch-britische Hochkultur (und natürlich könnte ich noch viele seiner Helden nennen). Eine besondere und edle Form des Nonsense ist der Limerick, jenes fünfzeilige Gedicht mit dem bemitleidenswert simplen Reimschema und Kindergartenmetrum. „02.03. +++ Nonsense“ weiterlesen

21.02. +++ Rock’n’Roll

Natürlich. Ein Gesamtkunstwerk. Hafis, LIEBESGEDICHTE. Frankfurt am Main: Insel Verlag, 1980.
Natürlich. Ein Gesamtkunstwerk. Hafis, LIEBESGEDICHTE. Frankfurt am Main: Insel Verlag, 1980.

Kennen Sie sich mit persischer Lyrik aus? Oder islamischer Lyrik generell? Ich kann in diesem Bereich jede Bildungslücke verneinen, denn wo es keinerlei Substanz gibt, kanns auch keine Lücken geben. Ich bin heute in der Buchhandlung meines Vertrauens über ein Bändchen der Inselbücherei mit den Liebesgedichten von Hafis gestolpert, einem der beiden wichtigsten mittelalterlichen Lyriker Persiens, wie mein Freund Wikipedia mir versichert. „21.02. +++ Rock’n’Roll“ weiterlesen

25.01.+++ Seelenlandschaft

Adonis, DER WALD DER LIEBE IN UNS, erschienen bei Jung und Jung, 2013
Adonis, DER WALD DER LIEBE IN UNS, erschienen bei Jung und Jung, 2013

Ich brauche Ruhe, um zu lesen. Spezifische Geräusche, ein laufender Fernseher, ein Gespräch, machen es mir unmöglich, mich zu konzentrieren, während ich in einem Café oder in der U-Bahn problemlos lesen kann. Na jedenfalls meistens, und das geht wahrscheinlich den meisten Leuten so. Aber für unterschiedliche Arten von Literatur gelten unterschiedliche Regeln. Ein Roman holt mich überall ab, er hat viele Türen, ist ein guter Kumpel. Theaterstücke haben in der Regel mehrfach gespaltene Persönlichkeiten, die leicht auf dem falschen Fuß erwischt werden können und einem das Leben nicht immer einfach machen. „25.01.+++ Seelenlandschaft“ weiterlesen