26.01. +++ In der Vitrine // Schwarz von Hunger und Seide

Hunger und Seide. SCHWARZ. (Bild von www.br.de)
Hunger und Seide. SCHWARZ. (Bild von www.br.de)

Lustig. Letzte Woche erst habe ich mich mit einem Archäologen, der ein kleines Steinzeit- und Bronzezeitmuseum leitet darüber unterhalten, wie man die Funde, die uns manchmal banal, manchmal überaus rätselhaft aus der Vorzeit ereilen, begreifbar, erzählbar für ein heutiges Publikum machen kann. Klar: Der Experte kann aus intensivem Interesse ob einer besonders gut erhaltenen Feuersteinklinge schon mal aus dem Häuschen geraten, aber selbst dem geneigtesten Besucher aus dem 21. Jahrhundert bleibt oft verschlossen, welchen Erkenntnisgewinn er daraus für sein Leben ziehen soll. Jedenfalls über ein „mei, ham mirs gut mit der Zentralheizung“ hinaus. Der Archäologe steht vor der Frage, wie er seine Funde menschlicher machen kann. Die Münchner Performancegruppe HUNGER UND SEIDE haben sich in SCHWARZ, das gestern Abend in der Muffathalle Premiere hatte, für den exakt umgekehrten Weg entschieden und die Frage gestellt: Was bleibt von unserer Zeit, dem Anthropozän, wenn wir alles Menschliche abziehen. Ihre Antwort: Plastik. „26.01. +++ In der Vitrine // Schwarz von Hunger und Seide“ weiterlesen

12.06. +++ Mikrokosmos

Ein bisschen Mystik muss sein - die Symbole machen aus den Maschinenbauern Alchimisten.
Ein bisschen Mystik muss sein – die Symbole machen aus den Maschinenbauern Alchimisten.

Ich finde Campingplätze super. Nicht, um da zu übernachten (da hab ich mir nach einer Zeltübernachtung an der Ardèche mal ein ganz schlimmes Rückenproblem zugezogen), sondern metaphorisch. Kleine Gruppen von Menschen reisen mit mehr oder weniger schwerem Gerät an, stecken einen Claim für längere oder kürzere Zeit ab, richten sich mehr oder weniger häuslich ein, ihre Identität wird eins mit der Wohnsituation auf Zeit, und von heute auf Morgen ist wieder alles vorbei. „12.06. +++ Mikrokosmos“ weiterlesen

28.04. +++ Parsnipping

Was soll man dazu sagen. Schauen Sie sich das Gesicht an. Ziehen Sies mal kurz über. Und sagen Sie dann, wie es sich anfühlt. (Bild von http://static.ffh.de)
Was soll man dazu sagen. Schauen Sie sich das Gesicht an. Ziehen Sies mal kurz über. Und sagen Sie dann, wie es sich anfühlt. (Bild von http://static.ffh.de)

Ich glaube, Parship gibt es im englischsprachigen Raum nicht. Wenn doch, dann ist dieser Firmenname eine offene Einladung an Vandalen, den h-Strich oben abzusägen und aus dem Dating-Portal ein Wurzelgemüse, nämlich  parsnip (der Pastinak oder die Pastinake) zu machen. Das aber nur am Rande. Ich kann jedenfalls die Leute auf den Parsnipplakaten nicht mehr ernst nehmen, wie sie mir ihre Beziehungsoptimierung entgegen lächeln. „28.04. +++ Parsnipping“ weiterlesen

27.04. +++ Himmelwärts

Die finnische Performance-Gruppe OBLIVIA - hier ein Foto aus KA-BOOM, ihrer letzten Performance (Bild von www.flickr.com)
Die finnische Performance-Gruppe OBLIVIA – hier ein Foto aus KA-BOOM, ihrer letzten Performance (Bild von www.flickr.com)

Okay, ich gebe zu, dass ist jetzt ein eher ungewöhnliches Kunstwerk, über das ich schreibe, aber ich bemühe mich (a) um Knappheit und (b) um Genauigkeit, ja? Also aufgepasst: Eine Frau steht mit dem Rücken zu mir, sie hat den Kopf gesenkt und die Arme angewinkelt, vielleicht betet sie. Sie lässt die Arme sinken, hebt den Blick weit nach oben, bis ihr Rücken ganz konvex nach hinten gebogen ist. Sie beginnt, rückwärts zu gehen; langsam, tastend. Sie geht sehr langsam, und doch gewinnt sie keine Sicherheit beim Gehen. „27.04. +++ Himmelwärts“ weiterlesen

23.01. +++ XXX

XXX (Foto von contrapunctus.me)
XXX (Foto von contrapunctus.me)

Die Aura des Geheimen ersetzt das Geheimnis an sich. Zumal im post-post Zeitalter. Meine Herausforderung bei diesem Text besteht darin, dass ich einer interaktiven Performance beigewohnt, mich verpflichtet habe, nichts von dem, was geschehen ist, öffentlich preis zu geben, und trotzdem darüber zu schreiben. Andererseits vielleicht doch nicht so schwierig, denn es geht bei diesem Blog ja um die Folgen des Kulturkonsums. Folge eins: ich bin ein bisschen angeschickert (es gab Alkohol umsonst. Also nicht umsonst, sondern im ‚Mitgliedsbeitrag‘ inbegriffen). Folge zwei: ich bin gut gelaunt, und zwar nicht wegen des Alkohols, sondern, weil die Veranstaltung insgesamt stimmungsvoll war. NICHT wegen großer künstlerischer Aktionen, NICHT wegen einer großen Gestaltungshöhe, sondern eigentlich wegen des Miteinanders zwischen Performern und Publikum. Dazu trug bei, dass nicht immer eindeutig zu erkennen war, wer „Gastgeber“, also eingeweiht, und wer „Gast“, also Entdecker, war. „23.01. +++ XXX“ weiterlesen

16.01. +++ Punkstille

Eines lässt sich jetzt schon sagen
EINES LÄSST SICH JETZT SCHON SAGEN: Ein tolles Ensemble (Foto: www.i-camp-muenchen.de)

Um die Welt zu erklären, oder zumindest zu verstehen, bräuchte man ein Modell von ihr, das deutlich größer sein müsste als die Welt. Ist also nichts, mit verstehen oder erklären, aber verändern können wir sie. Glauben wir wenigstens, aber das würde jetzt zu weit führen. Der Theaterabend, den ich heute im i-Camp verbringen durfte, macht vorderhand immer wieder Anstalten zur Welterklärung, seine Stärke liegt aber weit jenseits von Worten, Logik und Erklärungen; es ist nicht der Makrokosmos, sondern der Mikrokosmos der fünf Akteure, der in der Stille zwischen denn Worten seine Wirkung entfaltet. „16.01. +++ Punkstille“ weiterlesen

12.01. +++ Radioheadache (cleansing)

Album Cover IN RAINBOWLANDS (Foto von Wikipedia)
Album Cover IN RAINBOWS (Foto von Wikipedia)

Beim zweiten Song auf dem Album hab ich Kopfschmerzen bekommen, aber beim dritten waren sie wieder verflogen: IN RAINBOWS von Radiohead ist für mich Neuland, was den bewussten Musikgenuss angeht, aber ich habe es nicht bereut dieses interessante Album zu mir genommen zu haben – der Initiationskopfschmerz war vielleicht so etwas wie Lehrgeld, das ich zahlen musste. „12.01. +++ Radioheadache (cleansing)“ weiterlesen