28.02. +++ Mongol-Joss

Er hat lieber Erfahrungen erster Hand zu Papier gebracht, statt zu lesen: Fritz Mühlenweg (Bild von www.mühlenwegmuseum.de)
Er hat lieber Erfahrungen erster Hand zu Papier gebracht, statt zu lesen: Fritz Mühlenweg (Bild von www.mühlenwegmuseum.de)

Dieses Geständnis wird Ihnen vielleicht etwas sonderbar vorkommen: Ich muss Bücher zu Ende lesen. Ich habe offenbar eine tief sitzende Angst, etwas verpassen zu können (da ist mit Sicherheit etwas in meiner Kindheit schief gelaufen), und wenn es auch tugendhaft ist, Dinge zu Ende zu bringen, die man mal angefangen hat – wenn man sich beruflich mit Literatur beschäftigt kann das zum Problem werden. Es ist sogar so, dass ich mich scheue, Bücher zu beginnen, wenn ich befürchte, sie nicht ganz lesen zu können. Sei es, dass ich befürchte, sie nicht zu mögen, sei es, dass ich nicht genügend Zeit habe. Dementsprechend wohne ich schon seit Jahren mit einigen Büchern zusammen, die noch frisch wie Morgentau auf dem Regal stehen; wenn wir uns sehen, grüßen wir uns freundlich, beäugen uns aber misstrauisch aus den Augenwinkeln und wahrscheinlich entgeht uns so eine wunderbare Freundschaft. „28.02. +++ Mongol-Joss“ weiterlesen

22.02. +++ In der Stille

Armin Rohde und Joachim Król in DAS HAUS AM ENDE DER STRASSE (Bild von www.daserste.de)
Armin Rohde und Joachim Król in DAS HAUS AM ENDE DER STRASSE (Bild von www.daserste.de)

Lakonie ist nicht alles. Oder anders gesagt: Knappheit allein macht noch keine Kunst. Aber wenn mans richtig macht… Ich hab es an dieser Stelle schon häufiger festgestellt, dass Kunst in der Stille statt findet. Das gilt für Musik oder für den Raum zwischen den Worten. Es gilt aber auch für Schauspieler. „22.02. +++ In der Stille“ weiterlesen

16.02. +++ Sprachlos

Er hat das letzte Wort: Friedrich Hölderlin (Bild von www.de.wikipedia.org)
Er hat das letzte Wort: Friedrich Hölderlin (Bild von www.de.wikipedia.org)

Es geschehen sonderbare Dinge, wenn die Sprache uns loslöst – loslässt, wollte ich sagen. Sprache: Der Heilsweg der Lutheraner. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich Worte immer als mächtig empfunden habe, dass mich die Grenzen ihrer Möglichkeit so interessieren. Wo verzweifeln die Wortmaler an ihrem Werkzeug? Wo ist der letzte Laut geschöpft? Spuren der Sprachskepsis finden sich, solange Menschen denken und schreiben, aber extrem wird der Vertrauensverlust in die Sprache mit der Moderne. Natürlich: Wenn es keine Magie mehr gibt, wenn der Himmel leer ist, wie sollte dann das Wunder der Kommunikation überhaupt möglich sein? Heute habe ich ein Stück Literatur noch einmal gelesen, dass – vor der Moderne geschrieben – diese Crux so stechend ausdrückt, dass es schmerzt. „16.02. +++ Sprachlos“ weiterlesen

30.01. +++ Am Ende

Melancholia
Ob der kosmische Totentanz so aussehen wird? Still aus MELANCHOLIA (Foto: Wikipedia)

Wenn man sich mal an den täglichen Kunstkonsum gewöhnt hat, bringt das nicht nur Vergnügen mit sich. Heute zum Beispiel war ich den ganzen Tag ein bisschen übellaunig, weil ständig noch irgendwas anderes zu erledigen war, so dass ich wirklich fürchten musste, nicht dazu zu kommen. Keine Kunst? Welchen Sinn hätte dann der Tag gehabt? „30.01. +++ Am Ende“ weiterlesen

25.01.+++ Seelenlandschaft

Adonis, DER WALD DER LIEBE IN UNS, erschienen bei Jung und Jung, 2013
Adonis, DER WALD DER LIEBE IN UNS, erschienen bei Jung und Jung, 2013

Ich brauche Ruhe, um zu lesen. Spezifische Geräusche, ein laufender Fernseher, ein Gespräch, machen es mir unmöglich, mich zu konzentrieren, während ich in einem Café oder in der U-Bahn problemlos lesen kann. Na jedenfalls meistens, und das geht wahrscheinlich den meisten Leuten so. Aber für unterschiedliche Arten von Literatur gelten unterschiedliche Regeln. Ein Roman holt mich überall ab, er hat viele Türen, ist ein guter Kumpel. Theaterstücke haben in der Regel mehrfach gespaltene Persönlichkeiten, die leicht auf dem falschen Fuß erwischt werden können und einem das Leben nicht immer einfach machen. „25.01.+++ Seelenlandschaft“ weiterlesen

16.01. +++ Punkstille

Eines lässt sich jetzt schon sagen
EINES LÄSST SICH JETZT SCHON SAGEN: Ein tolles Ensemble (Foto: www.i-camp-muenchen.de)

Um die Welt zu erklären, oder zumindest zu verstehen, bräuchte man ein Modell von ihr, das deutlich größer sein müsste als die Welt. Ist also nichts, mit verstehen oder erklären, aber verändern können wir sie. Glauben wir wenigstens, aber das würde jetzt zu weit führen. Der Theaterabend, den ich heute im i-Camp verbringen durfte, macht vorderhand immer wieder Anstalten zur Welterklärung, seine Stärke liegt aber weit jenseits von Worten, Logik und Erklärungen; es ist nicht der Makrokosmos, sondern der Mikrokosmos der fünf Akteure, der in der Stille zwischen denn Worten seine Wirkung entfaltet. „16.01. +++ Punkstille“ weiterlesen