11.10. +++ Vakuum

Wissen Sie, wie die Nibelungen sterben? In einer von Etzel, dem Hunnenkönig, ausgeräucherten Halle. Was für eine apokalyptische Geschichte. Falke (Wotan Wilke-Möhring) und Lorenz (Petra Schmidt-Schaller). (Bild von www.daserste.de)
Wissen Sie, wie die Nibelungen sterben? In einer von Etzel, dem Hunnenkönig, ausgeräucherten Halle. Was für eine apokalyptische Geschichte. Falke (Wotan Wilke-Möhring) und Lorenz (Petra Schmidt-Schaller). (Bild von www.daserste.de)

Sie haben ja schon gemerkt, dass die Frequenz stark nachgelassen hat, mit der ich mich an dieser Stelle äußere. Was Schade ist, weils mir eigentlich viel Spaß macht – aber die Pflicht ruft oft in andere Richtungen. Deswegen fasse ich mich auch heute sehr kurz, aber dieser Tatort – VERBRANNT – kann nicht unkommentiert bleiben, weil er richtig krass gut war. Eigentlich sogar besser als der Wiesn-Tatort vor drei Wochen, weil allgemeiner. Alkoholismus und Sexismus sind auch ein massives Problem unserer Gesellschaft, aber kein so akut virulentes wie Fremdenfeindlichkeit, das Gefühl von Überforderung von staatlicher Seite und die Gefahr, dass Feuerzeuge gezückt werden. Ein dickes Kompliment sowohl an den Drehbuchautor Stefan Kolditz als auch an die Regie von Thomas Stuber und das Schauspielensemble. „11.10. +++ Vakuum“ weiterlesen

20.09. +++ Sexismus

Ganz normal: Kommissar Leitmayr (Udo Wachtveitl) nimmt sich eines italienischen Kollateralschadens während der Wiesn an. (Bild von www.daserste.de)
Ganz normal: Kommissar Leitmayr (Udo Wachtveitl) nimmt sich eines italienischen Kollateralschadens während der Wiesn an. (Bild von www.daserste.de)

Persönlich interessiere ich mich ja sehr für die Qualität von Drehbüchern, bzw. Stories, wenn ich mir einen Tatort anschaue. Das ist natürlich bei weitem nicht alles, worauf es ankommt, es kann beispielsweise ein mittelmäßiger Hauptdarsteller ein brillantes Drehbuch zuschanden reiten – umgekehrt ist es allerdings nahezu unmöglich, einen guten Film zu drehen, wenn das Skript nicht stimmt. Ich habe in den letzten Monaten an dieser Stelle viel gelobt und gemeckert, und ein wichtiges Kriterium war dabei für mich die Frage, wie welthaltig ein Drehbuch ist – welche Probleme werden da mehr oder weniger blutig verhandelt, hat das irgendeine gesellschaftliche Relevanz und wenn ja, welche Aussage traut sich der Autor zu treffen? „20.09. +++ Sexismus“ weiterlesen

13.09. +++ Altlasten

Im falschen Film: Ein bisschen wie ungebetene Gäste stolpern Janneke (Margarita Broich) und Brix (Wolfram Koch) durch den ganzen Tatort. (Bild von www.daserste.de)
Im falschen Film: Ein bisschen wie ungebetene Gäste stolpern Janneke (Margarita Broich) und Brix (Wolfram Koch) durch den ganzen Tatort. (Bild von www.daserste.de)

Mja, da war viel Schönes dran. Es tut mir leid, wenn ich mit dieser Beschreibung die Gefühle der am heutigen Frankfurter Tatort HINTER DEM SPIEGEL beteiligten Künstler verletzen sollte, aber positiver krieg ichs nicht hin. Der zweite Fall des noch neuen Teams Janneke/Brix aus der hessischen Metropole ließ sich zwar deutlich „normaler“ an als die verkitschte erste Episode, aber auch diesmal hat der Funke leider nicht gezündet, es war eine ziemlich lahme Veranstaltung. „13.09. +++ Altlasten“ weiterlesen

6.9. +++ Palimpsest

Eine andere Art Beziehungstat: Simon Amstad (Antoine Monot jr.) wird durch die Traumatisierung seiner Frau Karin (Sarah Hostettler) zum Täter (Bild von www.daserste.de)
Eine andere Art Beziehungstat: Simon Amstad (Antoine Monot jr.) wird durch die Traumatisierung seiner Frau Karin (Sarah Hostettler) zum Täter (Bild von www.daserste.de)

Es ist ja nicht alles schlecht, am September. Gut, die Sommerferien oder Sommerschonfrist, das gute Wetter und was sonst noch Angenehmes im Juli und August passieren kann, sind vorüber, aber: Es werden Sonntag Abends wieder neue Tatorte ausgestrahlt. Und der heutige Luzerner Tatort, IHR WERDET GERICHTET, hat wirklich Lust auf mehr gemacht – Chapeau den Schweizer Machern.

„6.9. +++ Palimpsest“ weiterlesen

12.07. +++ Großreinemachen

Da fährt sie so viel Rad und tritt doch auf der Stelle. Arme reiche Anwältin.  Ja, okay, dieses Hobby lädt zu vielen Kalauern ein. Aber trifft trotzdem gut. (V.l.n.r. Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär und Jeanette Hain. Bild von www.daserste.de)
Da fährt sie so viel Rad und tritt doch auf der Stelle. Arme reiche Anwältin. Ja, okay, dieses Hobby lädt zu vielen Kalauern ein. Aber trifft trotzdem gut. (V.l.n.r. Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär und Jeanette Hain. Bild von www.daserste.de)

Meine Frau ist anderer Meinung. Das ist nichts Ungewöhnliches, unser Geschmack, gerade beim Tatort, geht oft auseinander, und solange sachhaltiger Streit statt findet, lebt eine Beziehung. Auch wenn ich natürlich Recht habe. Ich fand nämlich den heutigen, von 2013 wiederholten Kölner Tatort SCHEINWELTEN ziemlich gut. Ich gebe unumwunden zu, dass die Story ihre Schwächen hatte, dass der Krimi nicht besonders spannend war und dass vor allem der eigentliche Mord bzw. Täter enorme Fragezeichen in den Abspann mitnahm – eigentlich umso erstaunlicher, dass die brillanten Schauspieler, und dazu gehörten neben den Protagonisten Behrendt und Bär vor allem das großartige Paar Christian Tasche und Jeanette Hein, und der mit Elan inszenierte Film diese Schwächen ausgleichen konnten. „12.07. +++ Großreinemachen“ weiterlesen

21.06. +++ Andere Baustelle

Klärende Gespräche: Dass Architekt von Mayer (Thomas Thieme) den Auftrag zum Mord an einem Ex-Staatssekretär gegeben hat, kommt in der Vernehmung durch Kommissar Lannert (Richy Müller) zwar nicht raus, dennoch ist es sehr aufklärerisch (Bild von www.daserste.de)
Klärende Gespräche: Dass Architekt von Mayer (Thomas Thieme) den Auftrag zum Mord an einem Ex-Staatssekretär gegeben hat, kommt in der Vernehmung durch Kommissar Lannert (Richy Müller) zwar nicht raus, dennoch ist es sehr aufklärerisch (Bild von www.daserste.de)

Das ist schon interessant. Vor noch nicht vier Wochen, am Pfingstmontag, wurde der letzte Tatort des SWR gesendet, nämlich ROOMSERVICE aus Ludwigshafen. Dort spielte ein ehemaliger Ministerpräsident mit, und das Fernsehen, d.h. eine fiktive SWR-Talkshow, spielte eine gewisse Rolle. Im heutigen Stuttgarter Tatort DER INDER durfte das Publikum – bei einem völlig anderen Fall – wiederum einen ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten erleben, und wiederum war die Präsenz des SWR in Form der Landesschau fester Bestandteil der Handlung. Das ist jetzt Mäkeln auf hohem Niveau, denn bis auf den Titel war diese Tatort-Episode von Niki Stein bemerkenswert gut, aber ein bisschen mehr inhaltliche Abstimmung dürfte man bei Produktionen der gleichen Sendeanstallt vielleicht erwarten. Andererseits: Wahrscheinlich war die Abwahl der CDU 2011 ein epochales Ereignis, das eben verarbeitet werden muss. „21.06. +++ Andere Baustelle“ weiterlesen

14.06. +++ Ein anderer Wind

Ein beeindruckendes Projekt: Bei solchen Dimensionen kann man schon mal vergessen, dass es hier eigentlich um Umweltschutz geht... (Bild von www.daserste.de)
Ein beeindruckendes Projekt: Bei solchen Dimensionen kann man schon mal vergessen, dass es hier eigentlich um Umweltschutz geht… (Bild von www.daserste.de)

Verratene Ideale, korrumpierte Umweltschützer, kapitalistische Ökounternehmer – der heutige Bremer Tatort WER WIND ERNTET, SÄT STURM betreibt eine interessante Ausweitung der Grauzone bis weit in die Nordsee hinaus. Dabei gelingt ein zu 80% spannender Krimi, der sich freilich gegen Ende ein bisschen zu apokalyptisch gebärdet. „14.06. +++ Ein anderer Wind“ weiterlesen

07.06. +++ Angefressen

Begeisterung sieht anders aus: Weil ihr Vorgesetzter der Ziehvater des Unfallopfers war, MÜSSEN Eisner (Harald Krassnitzer) und Fellner (Adele Neuhauser) wider Willen ermitteln. Dieses Gefühl überträgt sich. (Foto www.daserste.de)
Begeisterung sieht anders aus: Weil ihr Vorgesetzter der Ziehvater des Unfallopfers war, MÜSSEN Eisner (Harald Krassnitzer) und Fellner (Adele Neuhauser) wider Willen ermitteln. Dieses Gefühl überträgt sich. (Bild www.daserste.de)

Ja, manchmal möchte ich in meinen Vorurteilen bestätigt werden, aber bitte glauben Sie mir: Nicht, wenn es um den Wiener Tatort geht. Hab ich nicht neulich erst eine Kritik zum letzten dortigen Tatort geschrieben, der leider ein bisschen untertourig lief? Na, ich befürchte, das war bei GIER, der heutigen Episode aus Wien, ebenfalls Tatbestand. „07.06. +++ Angefressen“ weiterlesen

25.05. +++ Tagesmotto

"Alle Menschen sind gleich"? - Täter und Opfer sind es nicht. (Nilaa Farooq und Anima Fehrenbacher. Bild www.daserste.de)
„Alle Menschen sind gleich“? – Täter und Opfer sind es nicht. (Nilaa Farooq und Anima Fehrenbacher. Bild www.daserste.de)

Es bestand eigentlich noch kein Anlass für Häme, aber als der Manager des Luxushotels beim Morgenappell seinen Zimmermädchen das Tagesmotto „Alle Menschen sind gleich.“ ein Zitat von Voltaire, vorlas, da hatten mich die Drehbuchautoren Stefan Dähnert und Patrick Brunken schon in der Tasche. Dieses Bild von der Menschheitsteilung in Untergebene, die wie pakistanische Nähmaschinchen laufen und anzugtragende Herrenmenschen, die sie wie Feldwebel herumkommandieren und dazu das aufklärerische Zitat, das war ein genialer Gegensatz, die perfekte dramatische Ironie. Vom zu lösenden Mordfall bis zum Zickenkrieg im Polizeirevier – ein kritischer, ein politischer Tatort, der als ROOMSERVICE aus Ludwigshafen geliefert wurde, und zwar mit Heinescher Pointiertheit: „Sie tranken heimlich Wein / Und predigten öffentlich Wasser.“ „25.05. +++ Tagesmotto“ weiterlesen

24.05. +++ Gestörte Kommunikation

We are red, we are white, we are - manchmal ein bisschen missverständlich, jedenfalls für einen deutschen Grummelkommissar. (Lisa Werlinder als Kommissarin Einigsen und Axel Nilberg als Borowski. Bild von www.daserste.de, Fotografin: Marion von der Mehren)
We are red, we are white, we are – manchmal ein bisschen missverständlich, jedenfalls für einen deutschen Grummelkommissar. (Lisa Werlinder als Kommissarin Einigsen und Axel Nilberg als Borowski. Bild von www.daserste.de)

Politisch oder Privat? Staatsaktion oder bürgerliches Trauerspiel? Berühren uns menschliche Konflikte in privater Nahaufnahme mehr als in der großen politischen Arena? BOROWSKI UND DER BRENNENDE MANN, ein Kieler Tatort von 2013, der am heutigen Sonntag Abend wiederholt wird, stellt in vielerlei Hinsicht ein Gegenmodell zu dem neuen Ludwigshafener Tatort ROOMSERVICE dar, der am Pfingstmontag Abend gesendet wird. Zwei sehr gute Krimis, zwei sehr gute Casts – welches Modell überzeugt mehr? In einem zweiteiligen Blogbeitrag gehe ich heute und morgen dieser Frage nach. „24.05. +++ Gestörte Kommunikation“ weiterlesen