27.05. +++ Hangover Style

Ganz schön heftig, oder? Der BARBERINISCHE FAUN (Detail)
Ganz schön heftig, oder? Der BARBERINISCHE FAUN (Detail)

Gut, das ist dann wahrscheinlich Bayern. Du kommst in diese Glyptothek (die griechisch-römische), zahlst, und das erste, was dir über den Weg läuft, oder eben nicht, weil er sich nämlich nicht mehr auf den Beinen halten kann, ist ein überlebensgroßer besoffener Kerl, und das auch noch splitterfasernackt. Das letztere sieht man jetzt auf dem Oktoberfest nicht soo häufig, das erstere dafür umso häufiger. Im Falle des BARBERINISCHEN FAUNS ist das natürlich ein antike Skulptur (römische Kopie eines griechischen Originals aus dem 2. Jahrhundert vor Christus), aber gekauft und nach München geschleppt hat das Ludwig I. ja aus Gründen. Ich weiß jetzt nicht, ob der schwul war (das wäre angesichts des sehr lasziven Jünglings auch ein naheliegendes Motiv), aber wenn nicht, dann muss es die Verherrlichung des Rausches gewesen sein. Das kann man jetzt Dionysisches Prinzip nennen, oder aber auch einfach sternhagelvoll. Es könnte sogar passieren, dass er noch ein Spückerchen machen muss. „27.05. +++ Hangover Style“ weiterlesen

26.05. +++ Polly Day

Das "Weiberregiment" (deutscher Titel) zeigt seine Farbe in Parodie des berühmten Kriegsfotos "Raising the Flag on Iwo Jima" (Bild von www.terrypratchettbooks.com)
Das „Weiberregiment“ (deutscher Titel) zeigt seine Farbe in Parodie des berühmten Kriegsfotos „Raising the Flag on Iwo Jima“ (Bild von www.terrypratchettbooks.com)

Waren Sie mal am so genannten Poppy Day in England? Dieser Heldengedenktag findet anlässlich der Einstellungen der Kampfhandlungen 1918 alljährlich am 11. November statt, es finden Umzüge, Kranzniederlegungen, Paraden und Veranstaltungen statt. Uniformierte Leute überall in der Öffentlichkeit, die eine (Plastik-)Mohnblume im Revers tragen – und in der Regel dafür einige Pfund an Spenden bezahlt haben. Wenn man bedenkt, dass zur gleichen Zeit in Köln und Mainz der Karnevalsbeginn mit einer ganz anderen Art von Uniformität begangen wird, ist dieses Spektakel für deutsche Gemüter umso befremdlicher. Zunächst das Ende des Zweiten Weltkriegs und abschließend das Ende der deutsch-deutschen Teilung haben unser Land weitestgehend vom Militarismus befreit, der in anderen Gegenden der Welt, die wir gemeinhin als äußerst zivilisiert betrachten, durchaus gepflegt wird. Von Amerika will ich gar nicht reden. Ich sage das auch vor dem Hintergrund der Inszenierung von Lenz’ DIE SOLDATEN, die zu sehen ich vergangene Woche das eingeschränkte Vergnügen hatte. Wieso, bei aller Hassliebe zum Militär, sollen wir über eine Remilitarisierung unserer Gesellschaft sprechen? Wenn es doch so wäre! Willkommene Feindbilder! Ein Engländer hat da weit größeren Grund zur Klage über eine militarisierte Gesellschaft, und wenige haben Sie so klug und unterhaltsam geführt wie Terry Pratchett in seinem Soldatenroman MONSTROUS REGIMENT. „26.05. +++ Polly Day“ weiterlesen

02.02. +++ Fandango Madness

Ein abgefahrener Raver: Luigi Boccherini (Foto von www.en.wikipedia.org)
Ein abgefahrener Raver: Luigi Boccherini (Foto von www.en.wikipedia.org)

Irgendwann als Teenager bin ich mal auf einem dritten Programm bei dem englischen Filmklassiker LADYKILLERS hängen geblieben und war fortan ein totaler Fan von Alec Guiness. Und von Luigi Boccherini, von dem ich vorher noch nie was gehört hatte, dessen Streichquintett in E-Dur diese Krimikomödie aber so penetrant durchzieht, dass ich mir sogar die CD kaufte. Was damals noch mit einer Bestellung im CD-Laden verbunden war. Ja, Kinder, man musste das Haus verlassen, durch die Stadt fahren und mit einem Menschen reden, der in einem Buch nachschaute, ob es da etwas zu bestellen gab. Und das alles ohne One-Click-Option. „02.02. +++ Fandango Madness“ weiterlesen

05.01. +++ Zeitmangel

Night Watch
(Foto von www.terrypratchettbooks.com)

Das wirklich Schwierige an guten Vorsätzen ist nicht, sie zu verwirklichen. Das Schwierige ist, dass die viele ungenutzte Zeit, die sich in der Silvesternacht noch lockend und jungfräulich vor dem geistigen Auge ausbreitet, sich nach spätestens einer Woche in ein zerknülltes Papiertaschentuch verwandelt hat, in dem man vergebens eine trockene Ecke sucht. Wer hat denn Zeit, vorsätzlich all die guten neuen Sachen zu machen, wenn so viel Alltag plötzlich um die Ecke guckt und verbraucht werden muss? Zum Beispiel Romane.

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