To Go

Nibelungen Still 10 Kopie
Hagen von Tronje macht vor, wie man eine deutsche Heldensage verkürzt.

Es gibt viele Witze über togoischen Kaffee, der in der Regel mit „Coffee To Go“ nicht gemeint ist – und ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung von der Literatur dieses westafrikanischen Landes. Dennoch habe ich „To Go“ als Epitheton für meine YouTube-Literaturreihe gewählt und nicht „zum Mitnehmen“. Der Grund liegt auf der Hand: To Go ist kürzer.

Trotz aller Beteuerungen, dass es nicht auf die Länge ankommt, spielt sie beim Genuss von Literatur eine entscheidende Rolle. Es gibt Bücher oder auch Buchreihen, von denen wir wünschen, sie möchten nie aufhören. So unterhaltsam, spannend, lustig oder ergreifend ist die Geschichte, die die Autorin da spinnt, dass wir uns gern für immer in dieser Welt verlieren würden. Mir geht das beispielsweise mit den Scheibenwelt-Romanen von Terry Pratchett so, und sein Tod im letzten Jahr war ein herber Schlag. Ein Trend zum Eintauchen in epische Welten also – einerseits. Andererseits gibt es natürlich auch Formen, bei denen es auf Kürze und Prägnanz ankommt. Mir persönlich haben die kurzen Gedichte von Goethe, Ringelnatz oder Lasker-Schüler immer mehr zu sagen gehabt als lange Vertreter der Gattung. Es ist großartig eine Welt auszubreiten, aber es ist kunstvoll, ihren Charakter in wenigen Worten zusammenzufassen.

Sie ahnen, worauf ich hinauswill: Mein Bemühen um die Erschließung der Weltliteratur „zum Mitnehmen“ folgt dieser Logik. Ich möchte mit meinen Videos einen ersten Eindruck von einer Geschichte geben, der Lust auf mehr macht. Ich versuche, die wesentlichen Punkte der Handlung zusammenzufassen, mit Hilfe von Plastik, klaren Bildern und billigen Witzchen. Das hat zwei Nachteile: Die sprachliche Form, die oft ein wesentliches Element der Literatur ist, kann ich nur hier und da versuchen erfahrbar zu machen und zweitens: Lyrik kommt nicht vor, denn bei einem Gedicht die Handlung zusammenzufassen führt zu wenig. Zu den Vorteilen gehört, das hoffe ich wenigstens, dass auch schwer zugängliche Prosa oder Dramen ein wenig Popularisierung erfahren, und vor allem die Botschaft: Literatur ist lebendig, und zwar dann, wenn wir uns damit auseinandersetzen und etwas daraus machen. Ich bin davon überzeugt, dass es allemal besser ist, ein korruptes kleines Filmchen aus einem literarischen Werk zu machen, dass provokant aber unterhaltsam die Intentionen des Autors strapaziert, als dass dasselbe auf dem Billyregal oben links verschimmelt.

Im YouTube-Kanal SOMMERS WELTLITERATUR TO GO stelle ich in der Regel einmal wöchentlich ein Werk der Weltliteratur in 10 Minuten mit Hilfe meines Playmobilensembles vor. Der Kanal wird vom Reclam-Verlag präsentiert. Im Schwesterkanal SOMMER’S WORLD LITERATURE TO GO produziere ich nach und nach englische Fassungen der Videos. Zum Entstehungsmythos der Reihe verweise ich auf mein Einführungsvideo :-). Viel Spaß bei SOMMERS WELTLITERATUR TO GO.